Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Martin Philippson
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 4)
- Language
- German
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europäischen Suprematie in außerordentlichen äußer^ und inneren- Kämpfen Gestalt und Bedeutung zu geben vermochten. Es kam wohl hinzu, daß die Berufung nach Brüssel (1879—1891) Philippson, der geschichtlichen und kulturellen Stellung Belgiens entsprechend, naturgemäß immer stärker auf die Westmächte hinlenken mußte. Wenn sich Sonderarbeiten aus dem Gebiete der deutschen Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts, von kleinen gelegentlichen Arbeiten abgesehen (Wallenstein 1876 im Neuen Plutarcn, Heinrich IV. von Frankreich und der Jülicher Erbfolgestreit i883 in der Historischen Zeitschrift), nicht vorfinden, so behandelte er doch auch die deutschen Verhältnisse in einer Aufgabe größten Umfangs, in de? als Teil einer von mehreren Gelehrten herausgegebenen allgemeinen Weltgeschichte 1886 bis 1889 in drei starken Bänden erschienenen Geschichte der neueren Zeit, die, mit dem Deutschland zur Zeit Luthers beginnend, in großem Erzählerfluß bis zum Beginn der französischen Revolution fortschreitet (I. Band 2. Auflage 1908). Um so eifriger wandte sich Philippson, und auch dafür werden frühe Anregungen aus dem Kreise der politischen Historiker nicht zu übersehen sein, der preußischen Geschichte zu, die das zweite große Gebiet seiner archivalischen Forschungen und seiner vielbändigen Darstellungen wurde. Noch in seine Bonner Zeit fallen die Vorstudien zu der Geschichte deis preußischen Staatswesens seit dem Tode Friedrichs des Großen, die 1880 und 1882 in zwei Bänden erschien, aber Fragment blieb. Mit sicherem Blicke hatte der damals nur wenig über 3o Jahre alte Historiker, den man nach| seinen Leistungen und Versprechungen ganz im 16. und 17. Jahrhundert und in Westeuropa verstrickt glauben mußte, die Zeit zwischen dem Tode Friedrichs des Großen und dem Zusammenbruche für seine Aufgabe gewählt Der Mangel an archivalischen Vorstudien und historiographischen Vorarbeiten mußte ihn ebenso reizen, wie die innere Bedeutung dieses vielverkannten Geschichtsabschnitts. Es war die Übergangszeit zwischen dem ausgeprägten Absolutismus und dem Verfassungsstaat, nicht reizend durch starkes Geschehen nach außen hin, aber um so mehr durch die innere Entwicklung;oder vielmehr durch das, was an Erwartungen, Anläufen, Möglichkeiten in ihr lag. Wer die Wurzeln des preußischen Verfassungslebens aufdecken wollte, mußte in das Erdreich dieser problematischen Zeit hinab, und zu den frischen Antrieben, die der Krieg gegen Frankr reich und die von Sybel als Leiter der preußischen Staatsarchiv^ 101