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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1926-01-01 · 6 (1926) · p. Seite 99

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
6 (1926)
Article
Martin Philippson
Date
1926-01-01
Page
Seite 99 (sequence 2)
Language
German
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Stoffwahl, Problemstellung und Behandlungsweise schöpfen ließ. Es ist die in den vierziger Jahren mit Dahlmann beginnende, in Sybel und Treitschke gipfelnde Richtung der sogenannten politischen Historiker, die für den jungen Philippson, wohl hauptsächlich unter Sybels personlichem und wissenschaftlichem Einfluß, bestimmend wurde; sie beherrschte ihn nicht zwanghaft, aber das Wesen seiner historischen Anlagen und Neigungen war ihr verwandt und wurde daher von ihr zur Entwicklung gebracht. 1870 erschien der erste Band des Werkes Heinrich der VI. und Philipp III. die Begründung des französischen Übergewichts (1698 bis 1610), das 1873 in 3 Bänden abgeschlossen vorlag. Zwischen Anfang und Abschluß fällt Philippsons Habilitierung (1871) und seine Ernennung zum außerordentlichen Professor (1876), beides in Bonn. Dieses Werk ist in Stoffwahl und Arbeitsweise in hervorragender Weise für Philippsons historischen Anschauungs- und Arbeitskreis bezeichnend. Es waren die großen, weltgeschichtlichen Wandlungen in Westeuropa, der Niedergang Spaniens und der Aufstieg Frankreichs, der Gegensatz beider Staaten in Politik, Staatseinrichtungen und Verwaltungsprinzipien, den Philippson mit dem breiten und fließenden Federstrich des erzählenden Historikers zur Darstellung brachte. Auf diesem Gebiete ist er heimisch geblieben. Wie auf Ranke, übten auf ihn das 16. und die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts immer wieder eine besondere Anziehungskraft aus. Immer wieder ist es der diese Zeit erfüllende Doppelreiz des Politischen und Religiösen, die Grundlegung des modernen Staates und der Gedanke der europäischen Hegemonie, die ihn in die Archive und Bibliotheken nach Paris, Simankas (Spanien), Neapel, Rom, Venedig, Florenz, Wien, Berlin, Brüssel, London führten und ihn dort aus der zum erstenmal von Ranke in ihrer ganzen Bedeutung erschlossenen Welt von Depeschen, Relationen, Instruktionen, Briefen, Denkschriften, Memoiren das Material gewinnen ließen, das dann im stillen Zimmer durch die Doppelschwinge der zergliedernden Kritik und der aufbauenden Phantasie hindurchging, um in seinen Werken zu neuem Leben aufzuerstehen. Es ist für Philippson charakteristisch, wie er die von Sybel und Ranke ausgehenden Anregungen selbständig mit einander verband und erweiterte. So sehr die Anreize des einen in der allgemeinen politischen Orientierung, des andern in der Stoffwahl, im Zuge auf das Universale und in der archivalischen Grundlegung unverkennbar sind, so nicht weniger, wie er aus eigenem schon in dem ersten Werke T

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