Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Martin Philippson
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachrufe JÄartw ptyUppfon geb* 27« i* 1846, geffc 2. 9* 1916* Am 2 4- Dezember 1866 erwarb Martin Philippson in Bonn auf Grund einer lateinisch geschriebenen Dissertation über die Anfänge Heinrichs des Löwen die Doktorwürde, und schon einen Monat darauf konnte er das Vorwort zu der in zwei Bänden abgeschlossenen Geschieht^ Heinrichs des Löwen und der Weifischen und Staufischen Politik seiner Zeit schreiben. Der Verfasser war damals noch nicht 21 Jahre alt. Die Tage des erste» Schaffens sollten dem alternden Gelehrten in überraschender Weise wieder lebendig werden, als vor einigen Jahren eine Neuausgabe des Erstlingswerks notwendig wurde. Es war die letzte größere Arbeit, die ihm vergönnt war. Über ihr traf ihn der Tod. In den 5o Jahren, die dazwischen liegen, hat sich Philippson nur noch gelegentlich dem Mittelalter zugewandt Aus seiner Brüsseler Zeit liegen die akademische Eröffnungsrede: Importance historique du moyen kge (1879) und ein für Vorlesungen bestimmtes Programm du cour d'histoire politique (1880) vor. Alle anderen Früchte seiner außerordentlichen Arbeitskraft sind auf dem Boden der neueren und neusten Geschichte erwachsen. Schon von hier aus ist eine Orientierung über Philippsons Stellung in der Geschichtswissenschaft möglich. Er war ein Schüler von Schäfer und Sybel in Bonn, von Ranke und Droysen in Berlin, vier Historikern, die ebenfalls auf dem Gebiete der mittelalterlichen bzw. alten Geschichte begonen, dann aber in der neueren Geschichte ihr hauptsächlichstes Arbeitsfeld und ihre Reife gefunden hatten. Der Anreiz dazu lag nicht im wissenschaftlichen Interesse allein, sondern im Zuge der Zeit, die über die Romantik und den neuen* Rationalismus hinweg das historische Interesse tief in die politischen Gegenwartsinteressen niedertauchen und aus ihnen Anregungen für Mit diesem Aufsatz hat Eugen Tä übler bereits in den „Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" (No. 88 vom 9. 6. 1917) Martin Philippson, <ler ein Jahizehntlang an der Spitze des Archivkuratoriums stand, als Historiker gewürdigt. Er hat uns dankenswerterweise zum Wiederabdruck an dieser Stelle ermächtigt. 98