Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Zur Begründung des Landrabbinats und zur Entstehung der Synagogen- und Gottesdienstordnung für das Herzogtum Sachsen-Meiningen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 12)
- Language
- German
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Das Thema seiner schriftlichen Arbeit behandelte die Frage: Unter welchen inneren und äußeren Grundbedingungen wird ein Rabbiner auf die sittliche und religiöse Fortbildung der ihm untergebeinen Gemeinde, hauptsächlich des heranwachsenden Teils derselben segensreich einwirken können? Er griff sie mit einer gradlinigen Energie auf und arbeitet© sie zwar etwas schematisiert, aber doch so durch, daß sie nicht nur ein Programm darstellte, sondern auch ein volles Bild von der Persönlichkeit des Mannes, von seinen Ansichten und Erwartungen gibt und darüber hinaus zu einem Zeitdokument wird. Ganz beherrscht von dem Streben nach dem „neuen Geist", den sein Motto aus Ezechiel (XXXVI, 26 und 27) kündete, und in dessen Dienst er die „moralische Veredelung des Menschengeschlechts" als sein Wirkungsziel betrachtete, verlangte er vom Rabbiner das Höchstmaß an allgemeiner und talmudischer Bildung. Es war seine Meinung, daß erst aus diesem doppelten Wissen heraus der Talmudismus und das Cermonialgesetz überwunden, und erst 'dann auch die Gemeinde auf denselben Weg der Erkenntnis, zum neuen Geist, zur „wahren inneren Frömmigkeit" geführt werden könnte. Dabei war er — mit einigen, allerdings sehr wesentlichen und recht eigentümlichen, teilweise sehr irreführend formulierten, Einschränkungen *)—für vorsichtige Schonung der bestehenden Religionsanschauungen, bis Predigt, Reform des Gottesdienstes und der religiösen Erziehung die bestehende Denkungsart allmählich entthront hätten. Und so war er wohl rein gedanklich für die Abschaffung der ihm in Inhalt und Häufung nicht zusagenden hebräischen /Gebete und für ihre Ersetzung durch deutsche Choräle, schob aber auch das auf die lange Bank der fortschreitenden Entwicklung. Auch nur solange wollte er noch der Erlernung des Hebräischlesens das Wort Hildburghausen. D. hatte übrigens als Prüfungsarbeit vorgeschlagen: Entwurf einer Instruktion für einen Landrabbiner überhaupt und besonders in Hinsicht seiner Thätigkeit für die Verbesserung des jüdischen Schulunterrichts und des jüdischen Gottesdienstes. 1) 1. Der Rabbiner verwerfe alle im Talmud u. den Rabbinen enthaltenen Grundsätze, welche mit der Sittlichkeit streiten; 2. er entferne alle Schwierigkeiten, welche den bürgerlichen Verhältnissen der Juden hindernd im Wege stehen, u. 3. er verwerfe alle späteren Einrichtungen u. Zusätze der Ceremonialgesetze u. die aus frommem Aberglauben u. religiöser Finsterniß entstandenen Gebräuche u. Kleinlichkeiten der spätem Rabbinen, u. lege hierin, sowie bei den casuistischen Fragen den Maimonides, als einen verständigen Auszug aus dem Talmud zu Grunde. 77