Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Zur Begründung des Landrabbinats und zur Entstehung der Synagogen- und Gottesdienstordnung für das Herzogtum Sachsen-Meiningen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 11)
- Language
- German
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die gleichzeitige jüdische Publizistik energisch vertrat—, und daß das Konsistorium dem Hofmann stets einen Widerpart in einem andern Landeskinde, dem aus Bauerbach stammenden, damals noch studierenden Jacob Mühlfelder J) hielt, zu dessen gründlicher fundierten Bildung es größeres Vertrauen hatte. In seinen die Bedeutsamkeit des Amtes unterstreichenden .Ansichten und Forderungen traf das Konsistorium mit dem Landesministerium in Meiningen zusammen. Nur kam man hier aus ganz anderen, staatspolitischen Erwägungen dazu. Dem Referenten Debertshäuser schien es eine Fahrlässigkeit des Staates, daß er den Juden den Zugang zu den öffentlichen Schulen geöffnet, aber versäumt hatte, durch gleichzeitige Sorge für die religiösen Bedürfnisse der heranwachsenden Generation, für ihr jüdisch-religiöses Gefühl, einer Kritiksucht vorzubeugen, die — so mußte sich sein Gedankengangschließen — von der Beurteilung des Judentums leicht auch auf staatliche Gegebenheiten überspringen konnte. Anders als etwa zur gleichen Zeit in Preußen suchte der Meininger Geheimrat dieser Gefahr zu begegnen. Ihm schien eine vorsichtige Einwirkung auf den Kultus und eine durchgreifende Beförderung harmonischer Bildung der jüdischen Jugend das beste Gegenmittel zu sein. Weil sich für den Staat im allgemeinen als die geeignete Form für eine solche zweckbewußte Beeinflussung die des modernen Rabbinals erwiesen hatte, sollte auch hier zur Verbesserung des .sittlichen, religiösen und — rechtlichen Zustandes der meiningischen Juden die Wirksamkeit eines Landrabbiners in Anspruch genommen werden. Man erkennt aus dieser Formulierung mit aller Deutlichkeit, in welch eminentem Sinne die Landrabbinate jener Tage als Emanzipationsfaktoren eingesetzt wurden, wie alle Strahlen des Emanzipationsproblems sich in ihnen trafen. Hof mann mußte sich also im Mai i836 einer allgemeinen Prüfung in Meiningen unterziehen und tat dies mit günstigem Erfolg 2). ienprüfung auf einer Universität sich mit den allgemeinen philos. philolog. theolog. und hist. Wissensch., insbes. mit der jüd. Theologie wohivertraut gemacht und gute Zeugnisse über sein Verhalten beigebracht hat- Vgl. A I 2. Dr. Jacob Joseph Mühlfelder, der besondere Günstling des Hildburghäuser Oberkonsidtorialrats Dr. Nonne, des „Pestalozzis Thüringens", konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen und wurde schließlich Rabbiner in New York. Vgl. Human S. io3 und Konsistorialakten über seine Prüfung, die alle Materialien über sein Examen und seine jährlichen Arbeiten enthalten. 2) Debertshäuser hatte das Prüfungskollegium und auch den Prüfungsort bestimmt. Das war günstig für Hofmann und eine Spitze gegen das Konsistorium in 76