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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1926-01-01 · 6 (1926) · p. Seite 74

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
6 (1926)
Article
Zur Begründung des Landrabbinats und zur Entstehung der Synagogen- und Gottesdienstordnung für das Herzogtum Sachsen-Meiningen
Date
1926-01-01
Page
Seite 74 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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amtes frei schien Der neue Rabbiner der Walldorf er Gemeinde sollte zugleich mit den Funktionen des Landrabbiners betraut werden. Doch ein Teil der Gemeinden unter Führung von Hildburghaus»en weigerte sich zur Besoldung beizutragen, so daß die Bitte der übrigen Gemeinden, voran Walldorf, mit der Besetzung der Stelle noch zu warten, bis der aus Walldorf stammende Joseph Hofmann in Marburg seine Studien beendet hätte, dem Konsistorium einen Anlaß zum Hinausschieben der ganzen Angelegenheit bot. Einen Anlaß, den es schon in der Hoffnung auf eine Sinnesänderung der steuerscheuen Gemeinden gern ergriff. Der Schulhalter S. Gutmann 2) versah provisorisch die Rabbinatsgeschäfte, während in wichtigen Fällen der weimarische Landrabbiner Dr. Hess aus Stadtlengsfeld, der bekannte Reformeiferer, herangezogen werden sollte. Inzwischen bildete sich Joseph Hofmann auf der Universität fort. Ein merkwürdiger Mann, ein Mann, in dessen Bildungs- und Entwicklungsgang zwei Welten hart aufeinander stießen, in dem trotz mühsamsten Ringens jene Harmonie und Geschlossenheit nicht zu Wege kam, nach der er strebte; der sich an der Aufgabe, die er sich gesetzt hatte, zerrieb, weil er mit Hartnäckigkeit dem Prinzip nachhing und doch wieder über die Traditionen nicht hinweg konnte, denen er entwachsen schien. Nachdem er, der am 21. Januar 1806 geboren war, in seiner Heimat bis zum 16. Lebensjahr biblisch-talmudischen Unterricht genossen und sich dann auf der berühmten Talmudhochschule in Fürth, in Mainz und Homburg v. d. H. zum wissensreichen Talmudisten gebildet hatte, besuchte er nach zweijähriger privater Vorbefreitung noch als Fünfundzwanzigjähriger das Gymnasium in Meiningen 3) und ging von dort, allerdings ohne die Abgangsprüfung zu bezwingen, i832 zur Universität. Vorher aber hatte er Dr. Hess in Stadtlengsfeld aufgesucht und mit ihm die Einrichtung seines Studiums beraten. Der Umbruch war also damals schon vollzogen,, die Kulturschwenkung schon ausgeführt, und jedenfalls innerlich 1) Akten der Geh. Kanzlei zu Meiningen betr. die israelitischen Gemeinden des Landes, insbesondere die Anstellung eines Landrabbiners für dieselben. 1812. i832—i8/|5. 2) Vgl. Allgemeine Zeitung des Judentums (A Z J.) 2, i838 S. 56. Diese genauen Angaben stammen aus der „Rede, gehalten am Grabe des Landrabbiners Joseph Hofmann in Walldorf am 19. Nov. i845 von S. Steinhardt, Gemeinde- und Seminarlehrer zu Hildburghausen", die Herr ßankdirektor Ludwig Ilofmann Meiningen in dankenswerter Weise dem Gesamtarchiv zur Verfügung gestellt hat. 74

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