Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Der Oberlandesälteste Jacob Moses
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2821022-2821033-2822054--0986-2822121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dimission für den Generalprivilegierten, hiesigen Schutz-Juden Jacob Moses als Ober-Landes-Ältesten der Judenschaften. Nachdem bey Sr. Königl. Mayt. von Preußen unserm allergnädigsten Herrn der hiesige. Generaiprivilegirte Schutz-Jude Jacob Moses in Rücksicht seines Alters und zunehmenden Schwachheit um die Erlaßung von der Function eines Oberlandesältesten sämtlicher Judenschaften allerunterthänigst gebeten hat, diesem Gesuch auch in Gnaden deferiret worden ist, so wollen höchstgedachte Sr. Königl. Mayt. bemeldtem Jacob Moses die gebetene Dimission als Ober- Landes-Ältesten mit Bezeigung höchster Zufriedenheit über die in dieser Qualität von ihm geleistete gute Dienste und über die dabey bezeigte durch den allgemeinen Ruf überall rühmlichst bekannt gewordene Rechtschaffenheit hierdurch und kraft dieses dergestalt allergnädigst ertheilen, daß mehrgedachter Jacob Moses bey der bevorstehenden Reforme des Juden-Wesens, so wie er sich dazu submittiret hat, zu Erreichung höchstdero dabey hegenden landesväterlichen Absicht die Geschäfte und Pflichten eines Ober-Landes-Ältesten mit seiner erlangten Erfahrung und Einsicht von der Verfassung des tJuden- Wesens und mit seiner bisher bewiesenen redlichen Betriebsamkeit und mit;dem dadurch sowohl überhaupt als besonders bey der Judenschaft erworbenen Zutrauen bis zur Beendigung solcher Reform zu verrichten und fortzusetzen hat. Signatum Berlin den 4-ten Julii 1792. Zu einer Mitarbeit des Jacob an der „Judenreform" ist es nicht mehr gekommen. Mit der Aufhebung der solidarischen Haftbarkeit der Juden im Juni 1792 gelangte die Reform wegen de^ Krieges vorläufig zum Stillstand und wurde erst 1795-98 und 1800- 1801 wieder aufgenommen. Davon, daß Jacob da noch mit seinem Rate hinzugezogen wurde, verlautet nichts. Der Rest seines Lebens ging in der Fortsetzung seines wohltätigen Wirkens auf. 1 Mit dem Königshause blieb er durch seine regelmäßigen Gratulationen zu den Neujahrsfesten in Verbindung. 2 Noch kurz vor seinem Tode dankte ihm Friedrich Wilhelm II. am 17. Januar 1797 für den Glückp wunsch und wünschte seinerseits „nichts mehr, als daß der Jacob Moses ferner. Zufriedenheit und einer guten Gesundheit genießen, besonders aber von Sterbefällen geliebter Angehörigen und von denen damit verbundenen schmerzhaften Erinnerungen verschont bleiben möge." 3 Aus welchem Anlasse sich Jacob 1796 an den Kronprinzen wandte, ist unbekannt. Das Antwortschreiben bietet zwar nichts 1) Im Winter 5556 (1795/96) wurde von ihm Moses b. Elieser Pheiwisch aus Flatow unterstützt, wie aus dessen j^f (Berlin 1798) zu ersehen ist. Als Hausverwalter (Genesis 15,2) des Jacob Moses wird dort Isak b. Abraham aus Königsberg genannt, das ist kein anderer als Isak Abraham Euchel! 2) Mehrere Kgl. Danksagungen an Jacob sah ich bei einem seiner Nachkommen, dem verstorbenen Gemeindevorsteher Louis Bamberger. 3) Jahrbücher der preußischen Monarchie 1798 II, S. 438—39 Nr. 9. 37