Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1914)
- Article
- Das Erfurter Judenbuch
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 9 — vorbereitete Liste weist für den Anfang (1357) weite Abstände zwischen den einzelnen in Minuskel geschriebenen Posten auf. Und in der Tat weisen die vielfachen Doppeleintragungen auf den Weitergebrauch derselben Liste im folgenden Jahre hin.1 An dieser Gewohnheit, sich die Einträge eines früheren Jahres nutzbar zu machen, hielt man bei den später keine Abstände mehr vorsehenden Listen fest. Wahrscheinlich benutzte man in den Jahren, die keine grossen Veränderungen durch Hausbauten und jüdischen Zuzug aufwiesen und auch keine Aenderung in der Führung der Kanzleigeschäfte brachten, die alten Listen, die man, um Arbeit und Zeit zu sparen, durch Streichungen, Radierungen oder Randbemerkungen für das neue Jahr zustutzte. Diese Verwertung derselben Listen in mehreren Jahren tritt nur dann öffentlich zutage, wenn die einzelnen Eintragungen bei wichtigen besitzlichen Veränderungen oder Bestimmungen ein besonderes Datum tragen.2 Nur so wird es verständlich, weshalb z. B. der Jahreszins für 1390 in der Tabelle aus vier ganz auseinander liegenden Posten bestellen kann.3 Ihrem Inhalte nach lassen sich die Eintragungen bequem in vier Gruppen ordnen: I. Hauszins, II. Geschoss und andere direkte Steuern, III. Bürgeraufnahmegebühren, IV. sonstige Einträge. Diese Trennung der einzelnen Materien ist selten streng durchgeführt. Anfangs fehlt sie völlig, und die im Verhältnis zu I sehr zurücktretenden Einträge sind, wo es passend schien, eingefügt.4 1380 ist zum erstenmal der Oensus von der Bürgeiiiste durch besondere Ueberschrift geschieden.5 1383 führt man eine sonst nicht festgehaltene Scheidung innerhalb der Census-Gruppe durch.6 Geordnete Bürgerlisten sind seit 1393 unter besonderer Ratsliste üblich.7 Oft stehen solche Verzeichnisse für einige Jahre hintereinander,8 und grössere oder kleinere Lücken9 deuten ihre beabsichtigte Fortführung 1 Vgl. S. 21 und 22. 2 Durch. Datierung jedes einzelnen Postens im Benutzungsjahre (1374) ausgezeichnet ist die für 1373 ausgeschriebene Censusliste, die auch sonst genauere Angaben enthält (so die Empfangnahme der Kämmereigelder durch den obersten Ratsmeister). 3 Vgl. Bl. 40, 44, 48. 4 Vgl. die in Klammer gesetzten Blätterzahlen der Tabelle. 5 Bl. 34. 6 Hec curie Judeorum subscripte sunt ad tempora vite (Bl. 39) und census Judeorum de domibus conventis (Bl. 40). 7 Bl. 49'. 8 Vgl. die Tabelle. 9 Ueber darum freigebliebene Seiten siehe S. 8 Anm. 1, über kleinere Lücken siehe Bl. 52, 54.