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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1913-01-01 · 4 (1913) · p. Seite 50

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
4 (1913)
Article
Zur Geschichte der Kammerknechtschaft
Date
1913-01-01
Page
Seite 50 (sequence 7)
Language
German
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— 50 — verfassungsgeschichtliche Beobachtung stimmt zu dem Resultat, dass die ganze Bestimmung erst aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts ist. Es lässt sich von Koehnes Beobachtung aus aber weiter zeigen, dass das Amt eines Vorstehers der Juden nur eine Nachahmung des Schultheissenamtes ist, also auch erst der angegebenen Zeit angehört. Einen Titel hat dieser Vorsteher im ersten Absatz nicht. Im vierzehnten Absatz erscheint ein Judenbischof. Diesen Titel hatte Salmann, der Empfänger der Urkunde, geführt. Da man annahm, dass in dem ersten Absatz von der Gerichtsbarkeit die Rede sei, schien die Identifizierung der in c. 1 u. c. 14 Genannten selbstverständlich.1) Nachdem die Voraussetzung fortgefallen ist, muss man aber, den Befugnissen entsprechend, zwischen den Aemtern unterscheiden, Absatz 14: (W.) Quod si ipsi Judei litem inter se vel causam aliquam habuerint determinandam, a suis paribus et non ab aliis iudicentur. Et si aliquando inter eos perfidus alicuius rei inter eos geste occultare voluerit veritatem, ab eo qui est episcopus eorum veritatem fateri 2) cogatur. (Sp.) Quod si Judei litem inter se aut causam habuerint discernendam, a suis paribus et non (ab) aliis convincantur et iudicentur, et si aliquis eorum perfidus rei alicuius inter eos geste occultare voluerit veritatem, ah eo, qui ex parte episcopi preest Synagoge, iuxta legem suam cogatur ut de eo quod queritur verum fateatur. Nach diesem Wortlaut kann nicht einmal gesagt werden, dass das Urteil in Rechtssachen zwischen Juden dem Judenbischof zugesprochen wurde. Dieser soll Verstockte zum Bekenntnis zwingen; d. h. natürlich, mittels einer religiösen Zwangsmassregel, des Banns. Deshalb der Judenbischof. Dagegen ist die richterliche Tätigkeit, natürlich legibus suis,3) ganz allgemein Juden vorbehalten, also nicht auf den Bischof beschränkt. So zeigt sich schon aus Absatz 14 allein, wie verkehrt es ist, dem Judenbischof, d. h. dem Rabbiner, Rechte, die über die religiöse Fürsorge hinausgehen, zuzuweisen. Ueber die interne religiöse Fürsorge hinaus steht ihm auf Grund königlicher Zuweisung nur die Mitwirkung bei der Inquisition zu. Danach ist es zu beurteilen, was es auf sich hat, ihm auf Grund der ihm fälschlich zugewiesenen richterlichen Befugnis die mit dieser fälschlich verknüpften Aufsichts- und Verwaltungsrechte des ersten Absatzes zuzuweisen. Diese Rechte charakterisieren den Vorsteher der Gemeinde. x) Zuletzt Caro a. a. 0. S. 399 und vorher in der Monatsschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Jdts. 1904 S. 74 f. 2) Vorlage fatere. 3) Brunner, Deutsohe Rechtsgesch. 12 S. 430, 20. 23.

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