Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1913)
- Article
- Zur Geschichte der Kammerknechtschaft
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/2821022-2821029-2821612--0580-2821693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 48 — Erben (a. a. O. S. 57) geltend gemacht hat — „die merkwürdige Reihenfolge episcopus camerarius comes scultetus und abnorme Wendungen wie: de omni iusticia ad nos tantum hdbeant respicere und: cum eis vel adver sus eos tractare" —teile ich nicht. Ebenso wenig kann zugegeben werden, dass die Kanzlei, wenn sie die am Anfang der Speierer Urkunde und der Schutzbriefe Ludwigs des Frommen erhaltene allgemeine, kanzleimässig also auch in W. 10901) zu erwartende Schutzbestimmung um den von den Juden zu erwählenden und vom Kaiser zu bestätigenden Vorsteher erweitern wollte, dies durch eine Einschaltung in den ursprünglichen Wortlaut hätte erreichen können. Denn damit wäre noch keineswegs erreicht worden, was den Inhalt der ersten Bestimmung ausmacht: nicht kaiserlicher Schutz und Gerichtsbarkeit des Judenrichters, sondern Abhängigkeit der Juden allein vom Kaiser unter Ausschluss anderer Gewalten. Dass dies der Inhalt des ersten Absatzes ist, gilt es zunächst zu beweisen. Von der Gerichtsbarkeit handelt Absatz 14. Der Ausdruck iusticia wird in demselben Sinne aufgefasst.2) Aber er kann auch Gerechtsame im allgemeinen3) und speziell auch Abgabe4) bedeuten, und diese beiden Bedeutungen liegen hier vor, die zweite durch Hinzufügung von exactio zu iusticia verstärkt. Noch überzeugender tritt dies hervor, wenn man die Verbindung de aliqua re vel iusticie alicuius exaccione beachtet. Res ist hier nicht „Angelegenheit",5) sondern bedeutet res propria, wie in Absatz 2 rebus mobilibus vel inmobilibus, wo Sp. 1090 rebus quas iure hereditario possident hat,6) in Absatz 3 sogar res allein erscheint. In dem Protokoll der zu Frankfurt im Juni 794 gehaltenen Synode heisst es von der Abbitte des Herzogs Tassilo: necnon omnem iustitiam et res proprietatis, quantum Uli aut filiis vel filiabus suis in ducato Baioariorum legitime pertinere debuerant, gurpivit atque proiecit (Mon. Germ. Leg. III Conc. II 1 p. 166). Hier erscheint die in Frage stehende Wortverbindung in einer jeden Zweifel ausschliessenden Bedeutung. Die beiden Beispiele decken sich vollständig. *) Vgl. S. 37, 2. 2) Höniger a. a. 0.147. Stobbe a. a. 0. 211. 3) Z. B. im erstell Capitulare Karls d. Gr. von 802 c. 19 (M.G.Leg. II Cap. I nr. 34): tarn de iusticiis nostris quamque et iustitias ecclesiarum ... inquirant. Ferner in der Urkunde S. 46 nr. VI iusticiae neben proventus und iurisdictiones. 4) Z. B. in einem Schreiben des Papstes Honorius III. (Gregor. Decret. 1. III tit. 3 c. 9): ut tarnen consuetis iustitiis et debitis öbsequiis te defraudent.....iustitias debitas... exigas et servitia consueta (nach Brinkmeiers Glossarium diplom.). 5, Caro, Sozialu. Wirtschaftsgeschichte der Juden I 399. 6) Vgl. S. 39 Anm. 1.