Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1911-1912)
- Article
- Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 21)
- Language
- German
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…/2821022-2821027-2821416--0417-2821505- Visual Library
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- 75 — so sehr über die Territorien hinaus, dass es unmöglich ist, ihre tiefer gehende Erkenntnis bei isolierter Betrachtung zu gewinnen und zur Darstellung zu bringen. Es ist unmöglich, den schweren Gang, den die Verhältnisse der Juden in ihrer Entwickelung genommen haben, zu erkennen, wenn man ihn nicht aus dem Ganzen heraus zu erkennen versucht. Das Ganze für den Teil, in der Erkenntnis, in ihrer Vorbereitung. Erst dann wird es möglich, in den toten Nachrichten Reflexe von Lebenserscheinungen und hinter den Lebenserscheinungen ihre Lebensbedingungen zu erkennen. Es konnte nicht anders sein, als dass die Geschichte der Juden im Schatten der Synagoge zu wachsen begann. Doch muss die Zeit vorüber sein, da sie wesentlich als Kirchengeschichte galt, darüber hinaus nur als Pflanzung, in welcher sich Moralisten in ihren Mussestunden ergingen, um die Grösse Gottes in der Natur zu bewundern.— Tag für Tag formt sich um uns, in uns, durch uns Geschichte. Die Beobachtung des Seienden und des Werdenden schärft den Blick für die breite Fülle harter irdischer Elemente, die im Gewordenen zu Kampf und Wirkung kamen und führt das suchende Auge auf die unendliche Verschlingung wirtschaftlicher, politischer, sozialer, religiöser und kultureller Kräfte, die das allmähliche Verwachsen der jüdischen Schicht mit dem deutschen Volkskörper bestimmt und die inneren Wandlungen des jüdischen Volkselements in hervorragender Weise beeinflusst haben. Es sind eben zwei grosse Wissenskreise, die sich im Segment der Geschichte der Juden in Deutschland decken: der eine die jüdische Gesamtgeschichte, der andere die Gesamtgeschichte des deutschen Volkes." Die Verlegung des Archivs in die neuen Räume musste sowohl der Aktensammlung, wie der Aktenbenutzung einen starken Auftrieb bringen. Diese Erwartung hat nicht getäuscht. Die Lage des Archivs in der Nähe der grossen wissenschaftlichen, besonders auch der jüdisch-wissenschaftlichen Institute hat die persönliche Benutzung des Archivs sehr gehoben. Auch nach auswärts zeigt sich die Wirkung seiner Tätigkeit in einer gesteigerten Inanspruchnahme der Sammlungen und des wissenschaftlichen Rats; sowohl zu wissenschaftlichem, wie zu administrativem Zweck. Die Benutzung ist nicht auf jüdische Kreise beschränkt, und erlaubt dem Gesamtarchiv oft, Einfluss auf die Art der Arbeit zu gewinnen, besonders in der Richtung,