Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1911-1912)
- Article
- Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2821022-2821027-2821416--0411-2821499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 69 — Abschriftliche Ergänzungen treten auch zu unserm originalen Archivbestande hinzu. In verschiedenen Formen, welche durch die Stufen des Aufstiegs dieser Arbeiten bezeichnet werden. Ein Verzeichnis des Bestandes fremder Archive an Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Deutschland ist das erste. Exzerpte sind das zweite, ganze Abschriften das dritte. Die Arbeit kann selbst in einem kleinen Stadtarchive nur mit grosser sachlicher und zeitlicher Konzentrierung durchgeführt werden. Während die Arbeit an den mittelalterlichen Urkunden zumeist den Beamten des Archivs vorbehalten bleiben muss, wird die Ergänzung der neuzeitlichen Akten in grossem Umfange auf der Pflegschaftsorganisation aufgebaut werden können, wie es bisher schon geschah. Nach Orten und Bezirken vorwärts schreiten, hiesse, die Arbeit der Versandung zuführen. In kleineren Bezirken die Arbeit zu organisieren und die Arbeitsmethoden auszuproben, war die Aufgabe der vorbereitenden Zeit. Nun müssen wir versuchen, das Ganze zu umspannen und eine Arbeitsorganisation zu schaffen, welche unser Archiv zu dem Mündungsbecken eines über das ganze Reich verteilten Systems dauernd fliessender Zuflussadern macht. Das leidige Muss, in unsere Rechnung die irrationelle Grösse des Interesses, das wir in den Gemeinden finden, einzustellen, hat die Erweckung und Stärkung dieses Interesses für uns zu einer nicht immer erfreulichen Pflicht gemacht. Um so bedeutungsvoller wird auch in diesem Zusammenhange der jüngste Zweig des Gesamtarchivs werden, die familiengeschichtliche Abteilung, welche nach festen Plänen für die Art der Aufzeichnung den Bestand und die Geschichte der über das Jahr 1800 zurückführbaren Familien festhalten soll. Die Arbeit soll vom Archiv geleitet und unterstützt, aber nicht ausgeführt werden. Die Ausführung steht den Familienangehörigen, dem Pfleger oder einem von diesem gewonnenen Bearbeiter zu. Es ist zu erwarten, dass auf diesem Arbeitswege viel in privatem Besitz befindliches Archivmaterial in unmittelbarer Verbindung mit den familiengeschichtlichen Aufzeichnungen dem Archiv zufHessen wird. Es ist weiter zu erwarten, dass dieser Weg es uns erleichtern wird, Eingang und Interesse in den Gemeinden zu finden und in ihnen die Kräfte zu gewinnen, deren wir für die Leitung und Lebendigerhaltung der notwendigerweise oft Jahre hindurch in den einzelnen Gemeinden fortfliessenden Arbeiten bedürfen. Das Archiv sucht die ihm übergebenen Akten aufs schnellste der Benutzung zu administrativen und wissenschaftlichen Zwecken