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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1911-01-01 · 3 (1911-1912) · p. Seite 66

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
3 (1911-1912)
Article
Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden
Date
1911-01-01
Page
Seite 66 (sequence 12)
Language
German
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— 66 — der blosse schriftliche Antrag zieht, wenn sich an dem Orte nicht zufällig ein einflussreicher Mann mit offenem Blick für unsere Interessen findet, fast immer ein Nein nach sich. Aber auch die Zustimmung lässt den Erfolg meist noch in weiter Ferne. Dann sollen die Akten oft erst einmal in der Gemeinde repertorisiert werden, eine Arbeit, die im besten Falle überflüssig ist, im weniger guten schädlich durch das Zerreissen des Zusammenhängenden, durch eine unbewusste Zerstörung der meist nur schwer erkennbaren Zeichen, die das Auge des Archivars in der genetischen Rekonstruktion des Zusammenhangs leiten. In jedem Falle ergibt sich eine Verzögerung, die in einzelnen Fällen nun schon mit der Lebensdauer des Archivs Schritt hält, ohne Aussicht auf ein Ende zu bieten. Und werden die Akten endlich für die Versendung freigegeben, so können nach unseren Erfahrungen immer noch zwei bis drei Jahre voll endloser Schreibmühen vergehen, bevor das Archiv sie erhält. Diese Erfahrungen führten darauf, einen Weg zu gehen, der die Mitte zwischen Bereisung und schriftlichem Antrag hält und der Sammlung einen Antrieb aus eigenem zuführt. Wir haben begonnen, die Provinzial-, Landes- und Reichsverbände der Gemeinden und der Beamten als Zwischeninstanzen und Agitationsorgane auszunutzen. Ihre Tagungen geben die geeignetste Grundlage zur Verbreitung unserer Absichten und Forderungen. Ihre Mitglieder müssen dazu gebracht werden, sie in die Gemeinden hineinzutragen und in den Gemeinden zur Erfüllung zu bringen. In vielen Bundesstaaten stehen die Gemeinde verbände unter staatlicher Leitung. Um so autoritativer muss in diesen die Beeinflussung der Einzelgemeinde durch das staatliche Verbandsorgan zu gestalten versucht werden. Auf diesem Wege beginnt die Sammelarbeit unseres Archivs den Charakter eines organischen Auftriebs zu gewinnen, welcher den Erfolg nicht mehr allein vom Willen der Einzelgemeinde abhängig macht. Auf diesem Wege wird das Gesamtarchiv der deutschen Juden in der organisierten Vorwärtsbewegung zum Endziele seinem Namen den Inhalt der Wirklichkeit verschafft haben, bevor noch der Aktengeiz des letzten Gemeindepartikularisten überwunden sein wird. Auf diesem Wege wird es endlich auch möglich werden, im Fortschritt der Sammelarbeit die Träger eines nach Bezirken und Gemeinden gegliederten Pflegschaftssystems zu gewinnen, dessen das Archiv als dauernder Hilfsorganisation bedarf. Zu mehrfachem Zweck. Der nächste ist die Vervollständigung des uns von der Ge-

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