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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1911-01-01 · 3 (1911-1912) · p. Seite 65

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
3 (1911-1912)
Article
Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden
Date
1911-01-01
Page
Seite 65 (sequence 11)
Language
German
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— 65 — ein Programm hin, nicht in eigenen, sondern in erborgten Räumen gegründet. Zwischen diesem Anfang und dem Ende wird aber die Stufe des bis heute Erreichten nicht durch Zahl und Raum schlechthin bezeichnet, sondern dadurch, dass der Raum, den wir gewonnen haben, hinreicht, ein Gesamtarchiv der deutschen Juden in sich aufzunehmen, und dass die Zahl der in unserem Archiv mit ihren Akten vertretenen Gemeinden bereits hinreicht, um Gewissheit über die Möglichkeit eines Fortschritts zu geben, welcher den Namen eines Gesamtarchivs der deutschen Juden nicht nur nach der Seite des Erstrebten, sondern auch nach der des Erreichten rechtfertigt. Die Schwierigkeiten, welche der Zusammentragung der Akten im Wege stehen, sind nicht kleiner geworden, aber die Erfahrung hat gelehrt, sie leichter zu überwinden. Der Weg, der am schnellsten und verhältnismässig am sichersten zum Ziele führt, ist die mündliche Unterhandlung. Es kann nicht wundernehmen, dass ein hinreichendes Verständnis für archivalische Interessen nicht gerade häufig angetroffen wird. Und wo es vorhanden ist, setzt es sich meist in ehrlich empfundenen, aber schlecht durchdachten Lokalpatriotismus um und wird uns in dieser Gestalt gefährlicher als die Gleichgültigkeit, die unter dem Aktenstaub den Akteninhalt nicht sieht. In Rede und Gegenrede kann man die Gleichgültigkeit leicht verscheuchen und dem Lokalpatriotismus das höhere Ziel setzen, die Akten einem Zusammenhange einzugliedern, in welchem sie über das engbegrenzte Geschehen, von dem sie zeugen, hinaus zu einem Teilzeugnis des Ganzen werden, in das ihr Geschehen einmündet. Dieser Sammelweg konnte von uns aber nur in engen Grenzen beschritten werden. Er erfordert grosse Kosten und trägt Schwierigkeiten in sich, die ihn oft um den Erfolg bringen. Nur sehr selten wird es dem die Gemeinde besuchenden Vertreter des Archivs möglich sein, die Aktenabsendung auch noch zu überwachen. Meist wird er sich begnügen müssen, sich über den Befund zu unterrichten, die passendsten Anregungen zu weiterem Nachsuchen zu geben und die Gewissheit zu erlangen, den Gemeindevorstand von der Notwendigkeit der Aktenübergabe überzeugt zu haben. Es fragt sich dann, ob diese Ueberzeugung imstande ist, die lange, in kleinen Gemeinden sich oft bis auf ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr ausdehnende Frist bis zur nächsten Vertretersitzung zu überdauern und dann auch noch auf den grösseren Kreis der Gemeindevertreter überzugehen. Ist dies nicht der Fall, so lässt sich die Arbeit in dieser Gemeinde in absehbarer Zeit nicht wieder aufnehmen. Und 5

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