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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1911-01-01 · 3 (1911-1912) · p. Seite 60

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
3 (1911-1912)
Article
Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden
Date
1911-01-01
Page
Seite 60 (sequence 6)
Language
German
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— 60 — Sonst traf der Ausbau des Gesamtarchivs zunächst auf erhebliche Schwierigkeiten. Ein grosser Teil der Gemeinde vorstände ermangelte noch des Verständnisses für die Wichtigkeit der Angelegenheit; ein anderer, und zwar besonders in den bedeutenderen Gemeinden, Hess sich von einem, wir dürfen wohl sagen unberechtigten, Partikularismus und lokalen Selbstbewusstsein von der Einsendung seiner Akten an das Gesamtarchiv abhalten. Sogar dessen vertragsmässig festgelegte Zusage, dass die Akten Eigentum der sie einsendenden Gemeinde oder Privatperson bleiben und im Archive nur aufbewahrt würden, übte geringen Einfluss. Auf Propagandareisen erlangten die Herren Dr. Zivier und Dr. Täubler sowie andere, die sich mit rühmlicher Opferwilligkeit freiwillig in den Dienst der Sache stellten, zahlreiche Zusagen, aber deren Ausführung Hess und lässt nur allzu oft auf sich warten. Indes allmählich ergriff die Intelligenz der israelitischen Glaubensgenossenschaft in Deutschland die Bedeutung der neuen Einrichtung. Es wurde ihr klar, dass diese in dreifacher Beziehung etwas ganz neues unter den jüdischen Gesamt-Institutionen ausmache. Erstens, insofern sie als wissenschaftliche Gründung doch zugleich durch die dauernde Verbindung mit den Gemeinden, Vereinen, Stiftungen die engste Fühlung mit dem praktischen Leben hat; zweitens, insofern sie von dem Gegensatze religiöser Anschauungen in keiner Weise auch nur berührt wird; drittens, insofern sie auf Grund dieser beiden Tatsachen sowie des Zusammenhanges zwischen dem Leben der Vergangenheit und dem der Gegenwart geeignet ist, die Gestaltung unserer Anschauungen über Gegenwart und Zukunft des deutschen Judentums wesentlich zu beeinflussen. Diese Erkenntnis brach sich immer mehr Bahn und zeitigte günstige Folgen für das Anwachsen der Bestände des Gesamtarchivs. Im Mai 1907 waren, abgesehen von zahlreichen Behörden und Privaten, bereits von 88 Gemeinden Akten eingetroffen, darunter solche inzwischen eingegangener Gemeinden, deren Urkunden sonst unrettbar verloren gegangen wären. Die Zahl der beteiligten Gemeinden ist im gegenwärtigen Augenblicke auf 250 gestiegen; im Laufe des Frühjahrs ist der Beitritt von 150 weiteren Gemeinden mit Sicherheit zu erwarten. Unter denjenigen, die schon Akten bei uns niedergelegt haben, sind zahlreiche mittlere und grössere; von letzteren nenne ich nur Berlin, Beuthen, Darmstadt, Halle, Karlsruhe, Königsberg i. Pr., Stettin, Leipzig. Andere Gemeinden, unter denen ich nur Barmen, Hamburg, Jerusalem, Mainz, Mannheim und Posen hervorhebe, so-

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