Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1911-1912)
- Article
- Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 5)
- Language
- German
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— 59 — Archivare, und Vertreter von Grossgemeinden wurden in das Kuratorium berufen. Als Aufgabe und Zweck des Gesamtarchivs galt, nicht nur dem Historiker, Kulturhistoriker, Statistiker, Staatsrechtslehrer und Politiker genügendes und einwandfreies Material zur Erkenntnis der Zustände der Juden Deutschlands zu bieten, sondern auch eine durch Nachweisung der Präzedenzfälle gewährleistete Konstanz der Verwaltungspraxis in den Gemeinden zu schaffen. Die jüdischen Gemeinden Deutschlands sollten in dem Gesamtarchive eine immer zugängliche Quelle der Belehrung für ihre ganze Verwaltungstätigkeit finden. Ein entsprechender Aufruf fand bei einer grossen Anzahl namhafter Gemeinden freundliche Aufnahme und Zustimmung. Die Angelegenheit kam auch auf dem zehnten Deutsch-Israelitischen Gemeindetage, zu Frankfurt am Main, am 13. Juni 1905 zur Sprache. Mehrere Gemeinden: Berlin, Frankfurt am Main, Breslau, Hamburg, bewilligten beträchtliche jährliche Beiträge, die mit den von der Grossloge und dem Gemeindebunde ausgeworfenen Summen die Begründung und Erhaltung des Gesamtarchivs ermöglichten. Wir sprechen jenen Gemeinden unseren aufrichtigen Dank aus und hegen die feste Hoffnung, dass nicht allein sie ihre Beiträge im Verhältnis der wachsenden Bedürfnisse des Gesamtarchivs erhöhen, sondern noch andere Gemeinden ihrem Beispiele folgen werden. Die israelitische Gemeinde in Frankfurt am Main bot für das Archiv hinreichende Räumlichkeiten an, wenn es nach dieser Stadt verlegt werde. Allein das Kuratorium war der Ansicht, dass, bei aller Anerkennung der hochherzigen Opferwilligkeit der Frankfurter Gemeinde, das Archiv nicht an einen von dem Mittelpunkte Deutschlands so entlegenen Ort, sondern in die Hauptstadt des Reiches und in deren alle andern jüdischen Gemeinden Deutschlands an Bedeutung weit übertreffende Gemeinde gehöre. Am 1. Oktober 1905 wurde es also in Berlin eröffnet. Es wurde ein, allerdings sehr ungenügendes, provisorisches Lokal, Lützowstrasse 15, gemietet; es ward vor allem in Herrn Dr. Eugen Täubler, der die Prüfung als preussischer Staatsarchivar bestanden hatte, ein geeigneter Leiter gefunden. Ein indirektes Verdienst erwarb sich das Gesamtarchiv bereits durch sein blosses Dasein, indem seine Schöpfung vielen grösseren Gemeinden die Veranlassung gab, ihren eigenen Urkundenschätzen die gebührende Aufmerksamkeit zuzuwenden und für deren Erhaltung und Ordnung das Nötige zu tun.