Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1911-1912)
- Article
- Akten-Inventar der Synagogen-Gemeinde Soest
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 17)
- Language
- German
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— 42 — Die Anfänge der Organisation reichen über das Jahr 1807 hinaus. Trotzdem der Bestand an Familien auf zwei eingeschränkt war, wurde gemeinsamer Gottesdienst in einem als Betraum eingerichteten Zimmer abgehalten und eine gemeinsame Kasse für die Bedürfnisse des Betraums, des Kultus und, bezeichnend genug, für Armen und Kranken gewährte Transportkosten, ärztliche Hilfe und Bestattung geführt. Eine Umlage fand für diesen Zweck noch nicht statt. Die Einnahmen flössen vielmehr aus Gelübdegeldern und dem Verkauf von Zeremonialhandlungen. Diese Anfänge einer Gemeindeorganisation werden bei dem Bestände von zwei Familien erklärlich durch die Beteiligung der erwachsenen Söhne und der bediensteten männlichen Hausgenossen. Der Zuwachs der Mitglieder machte von 1812 an den Bau einer Synagoge, die Umwandlung des Privatunterrichts in einen öffentlichen und als Voraussetzung eine Vergrösserung der Einnahmequellen nötig. Das Mittel war eigenartig. Gewisse Ersparnisse hatten schon die alten Einnahmen bis 1812 ermöglicht. Nun strich man die bisher übliche Weiterbeförderung von auswärts kommender armer Kranken und Gebrechlichen, nicht die Gewährung ärztlicher Hilfe und Verpflegung. Da die Ersparnisse aber noch immer nicht für den Zweck hinreichten und zur Beisteuer nur zwei Familien mit mässigen Beiträgen für die mit mindestens 3000 Tlrn. veranschlagten Kosten herangezogen werden konnten, entschloss man sich 1816, die Hilfe anderer Gemeinden anzurufen. Nach den Aufzeichnungen in B 2b ist das Ersuchen nur nach Hamm gerichtet und die dort eingeleitete Kollekte, wie es scheint, durch den Einspruch der Regierung abgebrochen worden. Die Aufzeichnung von 1831 (E 2) erwähnt die Kollekte gar nicht, erwähnt nur die Unzulänglichkeit der durch die Streichung der Armentransporte gemachten Ersparnisse und die neuen im Jahre 1819 ins Werk gesetzten Mittel: Erhöhung der Gelübdegelder und eine Subskription monatlicher Beiträge der Gemeindemitglieder. Diese Subskription steht um so stärker im Gegensatz zu der drei Jahre vorher notierten Leistungsunfähigkeit, als man durch diese Mittel noch im Jahre 1819 ein Haus zum Umbau für den Zweck einer Synagoge und eines Schulhauses mit Lehrerwohnung schreiten konnte. In diesen kleinen Tatsachen zeigt sich die Entwickelung der Gemeinschaftsbedürfnisse und das langsame Herauswachsen der zu ihrer Erfüllung notwendigen Leistungen und Organisationsformen. Besonders in der Besteuerung, die, 1819 zum ersten Male als Folge