Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1911-1912)
- Article
- Akten-Inventar der Synagogen-Gemeinde Soest
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 11)
- Language
- German
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— 36 — abgesehen, geschichtlich nichts, was man als Besonderheit ansehen könnte. Aber gerade dies wäre verkehrt, das Interesse von der erwarteten Besonderheit bestimmen zu lassen. Die Frage nach der Entwickelung des Personenbestandes muss für die Geschichte jeder Gemeinde im Vordergrunde stehen. Sie erschöpft sich aber nicht in den Summen der Familien oder Seelen, auch nicht in den Zahlenreihen, mit welchen der Statistiker gewöhnlich gesellschaftliche Schichtungen zu erfassen und zu umschreiben sucht (Gebürtigkeit, Altersaufbau, Geschlecht, Familienstand, Beruf usw.), sondern muss den ganzen Prozess der Gemeindebildung und ihrer Entwickelung nach den Anlässen und Bedingungen, vornehmlich den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, des Zuzugs und der natürlichen Vermehrung bis ins einzelne geschichtlich zu erfassen suchen. Diesen Fragen soll in diesen „Mitteilungen'c künftighin nach zwei Richtungen besonderes Interesse zugewendet werden. Erstens soll — entsprechend den verschiedenen Möglichkeiten* welche das Aktenmaterial der einzelnen Gemeinden bietet, an verschiedenen Beispielen — versucht werden, die Fragen nach den verschiedenen Seiten zu entwickeln; und zweitens kann und soll zugleich gerade an Fragen dieser Art gezeigt werden, wie die Akten auszubeuten sind. Die Akten jüdischer Gemeinden werden oft im Vergleich mit den staatlichen und städtischen, soweit diese Nachrichten zur jüdischen Geschichte enthalten, als minderwertig erachtet. Mit Unrecht. Diese drei Gruppen ergänzen sich ihrem Inhalte nach so, dass keine entbehrlich ist. Und in den Akten der jüdischen Gemeinden liegen meist unter den Titeln, die am wenigsten ein an Ritualmordmärchen und Juden Verbrennungen, an Memorbüchern und Hof faktorenpatenten gross gewordenes Interesse zu reizen vermögen, in gelegentlichen Bemerkungen oder, wie in den Steuerlisten und Rechnungsbüchern, im ganzen die Materiahen, welche die Unentbehrlichkeit dieser Akten bestimmen. Für Soest erlaubt das Material nur wenige Fragen. Die Judensiedelung in Soest ist von der Zeit an, da sie, um 1250, zuerst nachweisbar ist1), niemals unterbrochen worden, aber fünf Jahrhunderte hindurch, bis 1807, auf den Bestand von 2 Familien beschränkt gewesen2). Ein in dem Faszikel Soest A 9 erhaltenes Verx) Hoeniger-Stern, Das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre zu Köln (Quellen z. Gesch. d. Juden in Deutschland Bd. I) Berlin 1888 S. 38. 40. 56. 73. Vgl. auch A. Lewinsky, Art. Soest in der Jewish Encyclopedia. 2) Gierse, Die Geschichte der Juden in Westfalen während des Mittelalters, o. J. S. 25 u. Lewinsky a. a. O. nehmen an, diese Beschränkung sei erst eingetreten, als der