Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1911-1912)
- Article
- Akten-Inventar der Synagogen-Gemeinde Soest
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 10)
- Language
- German
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— 35 — schritt dringend gebotenen grösseren Aufwendungen für das Schulwesen, das Bauwesen, die Kranken- und Armenfürsorge zerfiel der Verband um so leichter, als die Gemeinde nicht die Mittel hatte, ihre Mitglieder an sich zu binden. Steigerte sich der Druck in den alten Gemeinden oft noch durch die Ablösung alter, in nicht mehr bestehenden Verpflichtungen des öffentlichen Rechts begründeter Schuldverpflichtungen1), so kam in den sich neubildenden Gemeinden bei dem Mangel jeder rechtlichen Bindung noch der Mangel einer Tradition erschwerend hinzu. Dieser schwere und verwickelte Prozess der Gemeindebildung und ihres inneren Ausbaus lässt sich in der Frühgeschichte der Gemeinde Soest mit selten erreichbarer Deutlichkeit verfolgen. Es kommt mit Bezug auf die Vielseitigkeit und die Intensität der Bestrebungen viel, vor allem auch die Persönlichkeit des Leiters der Gemeinde, die in das Licht der Geschichte gerückt zu werden verdient, hinzu, um die Entwickelung in Soest als ein Musterbeispiel erscheinen zu lassen.2) Wir müssen drei Fragen unterscheiden: den Aufbau der Gemeinde Soest nach ihrem Mitgliederbestande; die Organisation der Gemeinde Soest vor Erlangung der Körperschaftsrechte; die Bestrebungen um Erlangung der Körperschaftsrechte. Der Aufbau der Gemeinde nach ihrem Mitgliederbestände. Ich verfolge diese Frage nur bis zum Jahre 1854, dem Jahre vor dem endgültigen Abschluss der Gemeindebildung, und gebe zunächst die Jahressummen der selbständigen steuernden Familien: 1807 : 2 1835 : 21 1842 : 23 1848 : 37 1816 : 12 1837 : 19 1843 : 26 1849 : 39 1822 : 14 1838 : 20 1844 : 26 1850 : 38 1826 : 15 1839 : 21 1845 : 31 1851 : 38 1829 : 20 1840 : 22 1846 : 33 1852 : 40 1830 : 22 1841 : 22 1847 : 35 1853 : 38 1854 : 38 -f 5 neue am Jahresende. Diese ärmlichen Zahlen scheinen kaum zum Nachdenken zu reizen. Sie enthalten auch, von den ersten beiden Zahlengruppen *) Das fehlt auch in Soest nicht, s. C 3 1845. 2) Das gilt auch für die nicht leichte Ausnutzung der Akten. Der Stoff ist ganz zerrissen und oft an Stellen versteckt, an denen man ihn nicht vermuten kann. 3*