Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 1 (1909)
- Article
- Zur Einführung
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— 4 — die Bekanntmachung seines Materials in diesen Mitteilungen die Zusammenhänge und Beziehungen innerjüdischer und allgemeiner deutscher Geschichte besonders hervortreten lässt. Die geschichtlichen Beziehungen der Juden in Deutschland zu denen anderer Länder werden in diesen Mitteilungen naturgemäss wenig berücksichtigt werden. Doch auch zu ihrer Erkenntnis fehlt der archivalische Stoff nicht ganz. Das Material, das in den Archiven der jüdischen Gemeinden erhalten ist, reicht aber weder in seiner Gesamtheit noch in seinen Teilen hin, um die urkundliche Grundlage für eine Geschichte der Juden in Deutschland bilden zu können. Man kann im allgemeinen das Ende des dreissigj ährigen Kriegs als die Zeitgrenze bezeichnen, bis zu welcher es hinaufreicht. Aus der vorhergehenden Zeit sind im Original nur wenige Fragmente erhalten: aus dem Ende des 13. Jahrhunderts das Nürnberger Memorbuch, jetzt in Mainz, 1298 beginnend; aus dem 14. Jahrhundert ein Privileg Karls IV. für die Hamburger Judenschaft; aus dem 15. Jahrhundert zwei Gülten auf die Judenschul in Frankfurt a. M. (1473); aus dem 16. Jahrhundert das Gemeindebuch von Frankfurt a. M. (1540 beginnend), von Worms (1563 beginnend), von Fürth (1592 beginnend), mehrere Judenordnungen von Worms (1552 beginnend) und einige weitere Stücke in Frankfurt; a. M.*). Verbreiteter sind einzelne Stücke aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, geschlossene Aktengrappen sind aber erst aus der Zeit nach dem dreissigj ährigen Kriege erhalten. Die Akten teilten das Schicksal der Gemeinden, Die wenigen nennenswerten Siedelungen, die es am Anfang de& 17. Jahrhunderts gab, haben wenigstens Fragmente ihres älteren Aktenbestandes erhalten. Eine umfassendere Siedelung von Juden begann aber nach den Verfolgungen des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit in den meisten deutschen Territorien erst, als nach dem grossen Kriege die kräftige Entwicklung der Territorialstaaten einsetzte und die Ansiedlung von Juden von der neuen, mit gewaltsamen Mitteln arbeitenden Wirtschaftspolitik der Fürsten Ständen und Städten aufgezwungen wurde. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beginnt die Entwicklungsepoche, die ununterbrochen bis auf den heutigert Tag fortläuft* Diese Zeit umfasst das Stoffgebiet der Samn>- *) Vgl E. Zivier, Eine archivalische Informationsreise, 1905 (S. Aaus der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums),