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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1909-01-01 · 1 (1909) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
1 (1909)
Article
Zur Einführung
Date
1909-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — Schicksale des allmählichen Verwachsens der Juden mit dem deutschen Volkskörper bestimmt und die innere Wandlung des jüdischen Volkselements in hervorragender Weise beeinflusst haben. In ihnen ist andrerseits auch der Einfluss nachzuprüfen, den das jüdische Element auf die geistige und soziale Gestaltung des deutschen Volkes ausgeübt hat. Soweit die Geschichte der Juden in Deutschland öffentlich-rechtliche Verhältnisse, Siedelungsfragen und Wirtschaftsfragen betrifft, ist sie ein unmittelbarer Bestandteil der allgemeinen deutschen Geschichte und muss diese zur Grundlage ihrer Erkenntnis gemacht werden. Daneben steht der noch umfangreichere Komplex von Fragen, welcher die innere Geschichte der Gemeinden, ihre gegenseitigen Beziehungen, die religiöse Entwicklung, die Literatur und die Volkskunde umfasst. Auch diese Zweige sind in ihrer Entwicklung von aussen her beeinflusst. Ihren Grundlagen und ihrem Wesen nach sind sie aber innerjüdischer Natur. Wie die Stoffgebiete scheiden sich ihre urkundlichen und literarischen Quellen. Beides wirkt in trennendem Sinne auf die Behandlung der Geschichte der Juden in Deutschland ein. Bei der Behandlung der verfassungs- und wirtschaftsgeschichtlichen Fragen wird meist vor den Toren des Gettos Halt gemacht und nicht den Wirkungen nachgegangen, welche die veränderten Bedingungen auf die innere Entwicklung des jüdischen Volkselements ausgeübt haben. Und die meist von Theologen gepflegte innerjüdische Geschichte wird in ihrer gewöhnlichen Behandlungsweise nur in losen äusseren Zusammenhang mit den allgemeinen Verhältnissen gebracht. Verfassung, Wirtschaft und allgemeine Kultur werden nicht als Bedingungen, sondern als Beiwerk behandelt. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann zwar die Historische Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland den Gegensatz zu überbrücken; aber ihre Leistungen kamen fast ausschliesslich dem Mittelalter zu gute und die Arbeitsweise, welche ihre grösseren Publikationen zeigen, war weit eher geeignet, die Gegensätze äusserlich zu verbinden, als von innen heraus aufzulösen. Auf eine innere Verbindung der bezeichneten Gegensätze muss dass Gesamtarchiv aber schon durch seine urkundlichen Sammlungen einwirken; das zeigt ein Blick auf die in diesem Hefte veröffentlichten Inventare. Und es wird dies um so intensiver können, wenn

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