Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 1 (1909)
- Article
- Zur Einführung
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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— 5 — lungen des Gesamt archivs. Aber auch wenn sich, was nicht das Gewöhnliche ist, die Zeugnisse dieser Zeit in den Gemeindestuben ziemlich vollständig erhalten haben, reichen sie als Quellen nicht hin, sondern bedürfen der Ergänzung durch die Akten der städtischen und staatlichen Archive. Die Erforschung der Beziehungen der Gemeinde zu Stadt und Staat wird meist mehr mit den städtischen und staatlichen, als mit den Gemeindearchivalien rechnen müssen. Andrerseits sind, auch wo das der Fall ist, die Gemeindeakten nicht zu entbehren, da die innerjüdischen Bewegungen, welche der Entwicklung dieser Beziehungen vorausgingen und folgten und die rechtlichen und administrativen Festsetzungen erst in, das Bild individuellen Lebens hineinrücken, nur aus den Akten der jüdischen Gemeinden erkennbar sind. Gemeindearchiv und Stadtbezw. Staatsarchiv bedürfen also für die Zwecke der jüdischen Geschichte der gegenseitigen Ergänzung. Daraus ergibt sich eine neue Aufgabe für die Sammlungen unseres Archivs. Es kann sich bei der Vermittlung des urkundlichen Stoffs nicht von Fall zu Fall auf eine Anfrage bei Staats- und Stadtarchiven beschränken, sondern muss dahin streben, eine möglichst genaue Uebersicht über das in anderen Archiven und Registraturen liegende Material zur Geschichte der Juden in Deutschland zu gewinnen. Für Baden, Württemberg, die Rheinprovinz und Westfalen bietet die Veröffentlichung der Inventare der nichtstaatlichen Archive eine bequeme Grundlage. Aber auch aus anderen Provinzen besitzt das Gesamtarchiv schon jetzt zum Teil sehr eingehende Uebersichten über das in Stadtregistraturen liegende Material zur Geschichte der jüdischen Gemeinden. Der Fortgang dieser für das Gesamtarchiv unentbehrlichen Ergänzungsarbeiten wird bedingt sein von dem Fortgang der Sammlung originaler Akten und von dem Entgegenkommen, das wir bei den Verwaltungsbehörden der staatlichen und städtischen Archive finden. Aus dem, was oben über das Alter des in den jüdischen Gemeinden erhaltenen Materials gesagt ist, wird ersichtlich, , dass für das Mittelalter die Ergänzungsarbeiten aus anderen Archiven zur Hauptsache werden. Ihre Durchführung wurde in der Form eines Regesten-Katalogs aller jüdische Verhältnisse oder Juden erwähnenden Urkunden begonnen. Diesem soll später ein Handschriften-Katalog zur Seite treten.