Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-12-01 · 12 (Dezember 1846) · p. Seite 478

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
12 (Dezember 1846)
Date
1846-12-01
Page
Seite 478 (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744896--1447-2746421
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

478 Zur Wissenschaft des Judenthums. jener Männer, neben ihrer fromm-e1hischenAnsicht,noch besonders hkrvdrleuchtet. Den dem Verf. gemachtenVörwurf, daß hier die Lichtseiten jener Zeit auf Küsten der Schattenseiten entfalte, haben wir bereits zu widerlegen gesucht (s. Septemherhest S. 347). — Dadurch , daß er aus den Sittenbücheru manche Stellen, die von Mangelhaftigkeit in den Begriffen und von Aberglauben zeugen, zurückgelaffen hat, verliert das ausgestellte Bild in den Augen des Kenners noch nicht an Vollständigkeit; denn daß Schwachen und Irrationalität damals Vorkommen mußten, kann nicht anders als vorausgesetzt werden; daß aber Männer in der Zeit jener gräßlichen Verfolgungen sich zu solcher sittlichen Höhe hinaufschwangm und darauf sich erhielten, bedurfte der speciellvren Nachweisung, wie sie uns der Hr. Verf. gibt. ' Der letzte Abschnitt dieser Abhandlung, „die Charakteristik/' (S. 157 bis 213) wirst, nach einer allgemeinen, in höchst energischen Worten auSgedröckte.n Klage über das Änrecht und die Einseitigkeit der Geschichtsschreiber, zuerst einen Rückblick ans die literarische Thätigkeit der französischen und deutschen Juden seit dem Jahre 1000 der chr. Zeitr., moiivirt dann den Entschluß des Verfs., gerade diese Partie speciell zu bearbeiten (vgl. Septemberhest S. 348), und zerlegt hierauf die Bestandtheile genauer, woraus eigentlich jenes Schristenthuw, in Halacha, Ritus und Exegese zerfallend, zusammengesetzt war, nämlich: A. was die Halacha betrifft, aus 1) Talmudcommentarien, 2) Glossen, Zusätzen und Ben^erknngen (Tosaphot) zum Talmud, hinsichtlich deren Charakterisirung wir uns auf unsere oben (S. 472 seq.) dargelegte Ansicht beziehen, 3) Collectaneen, Compilationen, Auszügen rc., '4) Entscheidungen, Gutachten, Decisionsregeln und Verordnungen (Tekanoth) und 5) selbstständigen systematischen Werken über das ganze halachische Gebiet, oder einen Theil desselben, wobei 27 besondere, mit sogenannten symbolischen Titeln versehene Werke bis zum 14. und 15. Jh. herab genannt werden. Die Hülfswerke (talmudische Wörterbücher und Formenlehren) werden auch noch'hierzu gezählt/obgleich selbige, deren Tendenz nicht lehrend, sondern blos dem Lernenden.HülfSmittel bereitend war, nicht eigentlich zu den halachischen Schriften im strengen Sinne gehören, wogegen (wie wir glauben) diejenigen unter B) rubricirten Werke, welche sich über Vorschriften zur Ordnung des Rituswesens verbreiten, obwohl sie zuweilen der Bequemlichkeit willen den Machsorim einverleibt waren, doch halachischer Natur sind und in die Rubrik A) einzureihen waren. Außerdem zählt der Hr. Verf. sab B) die Gebetsamlnlungen und deren Erläuterungen. — Die Rubrik C) bildet die Schriften, welche das Verstandniß der heiligen Schrift sich zur Aufgabe machten. Diese sind entweder 1) masoretisch, grammatisch und lexikalisch; 2) eigentlich exegetisch, midraschartig oder die Hagada erläuternd, oder 3) theologische, philosophische, kabbalistische, ethische Themata besonders behandelnd. Als Verfasser von Werken letzterer Art werden 17 Männer genannt. — Nächst diesen entstanden auch noch Schriften allgemein wissenschaftlichen und poetischen Inhalts; hierbei sind 4 mathematisch-astronomische Werke und die Reisebeschreibung des Petachia angegeben. Von S. 167—192 beschreibt der Hr. Verf. das eigentliche innere Leben der französisch-deutschen Juden damaliger Zeit. Diese meisterhafte Schilderung muß man selbst lesen, um einen vollständigen Begriff davon zu erhalten; wir enthalten uns daher jedes Auszugs. Was hierbei S. 185—187 über Anstellung, Fähigkeit und Befugnisse der Rabbinen im 14. und 15. Jh. erzählt wird, verdient besondere Aufmerksamkeit,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.