Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 12 (Dezember 1846)
- Date
- 1846-12-01
- Page
- Seite 473 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2744856-2744883-2744896--1442-2746416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
473 Zur Wissenschaft deS-ZudeuthumS. die schwierigen Stellen zu erklären, die Widersprüche zu heben, — da konnte es nicht fehlen, daß Versuche der letzteren Art immer mehr in Schwung kamen und die der talmudischen Studien Beflissenen nicht eher Rast fanden, bis sie fast alle Satze der Gemara einer speciellen, großentheils in Fragen, kurzen Repliken und Dupliken sich äußernden Beleuchtung und Motivirung unterwarfen und die sich ihnen darbietenden wirklichen und scheinbaren Widersprüche zwischen den verschiedenen Talmudstellen auf die scharfsinnigste Weise auszugleichen sich bemüheten. So die Entstehung unserer Tosaphot! (Vgl. auch Menachem ben Serach, Vorrede zum Zedah laderech.) Die christlichen Gelehrten, welche sich Ln den labyrinthischen Discussionsgang der Gemara nicht so klar hineknzudenken vermochten, um die Entstehung der Tosaphot daraus ableiten zu können, mußt'« daher über das Wesen der letzteren ziemlich im Dunkeln bleiben; dies um so mehr, da sie hierüber bei den jüdischen historischen und chronologischen Schriftstellern, welche, das Innere und Wesentliche der talmudischen Disciplin und Methode als ihren Lesern bekannt voraussetzend, gewöhnlich nur über äußere Zustande und Ereignisse berichteten, blos dürftige Nachrichten hin und wieder auffanden. — Um die Arbeiten der Tosaphisten dem Auge der Wissenschaft zur lichten Anschauung und vollen Würdigung hinzustellen, wäre Bedürfuiß, daß gegeben werde a) ein Abbild der eigenthümlichen tosphotischen Disguffionsweise, Darstellung ihrer Analogie mit der in der Gemara vorherrschenden und ihre Abweichung davon, wobei der Faden zu verfolgen ist, wie sie (die tosphotische Weise) sich allmalig aus der Gemara, besonders den seburaischen und geonaischen Zusätzen zu letzterer herauSgesponnen hat*). Hieran würde sich zu schließen haben d) eine Zurückführung des tosphotischen Jdeengangs auf gewisse Regeln und Principien und e) Darlegung des Einflusses der Tosaphot auf die Hermeneutik des Talmuds (Vgl. Algasi im NSlvA 'pn'O und auf die halachische Praxis; ferner 6) systematische Zusammenstellung der dogmatischen Ansichten der Tosaphisten; und e) ein Ueberblick ihrer allgemeinen wissenschaftlichen Kenntnisse, woran f) Biographien der vorzüglicheren Tosaphisten nebst einer lebensvollen Einschau in ihre Lehrwirksamkeit und Praxis sich anzureihen hatten. — Bis jetzt war allerdings David Conforte der Einzige, der mindestens ein ziemlich vollständiges Namensverzeichniß sammtlicher in unseren Tosaphot vorkommenden Autoren gab. Hr. Dr. Z., der bereits in mehreren seiner früheren Schriften (namentlich zuletzt in den weniger bekannten additamentis ad cat. cod. Lips.) sehr schätzbare Beitrage zur Aufhellung der Zeit- und Lebensverhattniffe mancher Tosaphisten gewahrte, ^verfolgt nun in dem vorliegenden Werke einen eignen Weg, um von der literarischen Wirksamkeit der Tosaphisten eine genaue übersichtliche Kenntniß zu verschaffe». — Zuerst werden (S. 31—44) 43 Männer in möglichst chronologischer Folge als Verfasser von Tosaphot bezeichnet, denen (S. 44 —46) eine Hinweisung auf mehrere ungenannte Verfasser und mit allgemeinen Benennungen versehene Tosaphot- Sammlungen, sowie (S. 46) eine kurze Notiz, aus welchen Sammlungen und Bearbeitungen 19 Tractate unserer, den gewöhnlichen Talmudeditionen beigedruckten Tosaphot hervorgegangen find, sich anschließt. Es folgt nun (S. 46—67) ein Derzeichniß der in den Tosaphot angeführten Namen, welche find: A) Raschi *) Was die geonäischen Zusätze betrifft, vgl. u. A. Schittah des R. Bezalel zu Baba, m^ssia 3 a. Die von S. Bloch gleichfalls (Anmerk, zu MrtVtin) als iuterpolirt angegebene Stelle Baba mezia 26 b. wird jedoch von David ben Simra R. G. A. Th. 2. Nr. 806 wieder als echt hergestellt. Frankel, Zeitschrift LU. 36