Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 12 (Dezember 1846)
- Date
- 1846-12-01
- Page
- Seite 449 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die GffLer. 449 §. 13. Es gibt noch einen andern Verein der Essener, der zwar hinsichtlich der Lebensart, der Sitten und des Gesetzes so wie die Anderen denkt, in der Meinung über die Ehe aber abweicht. Denn sie glauben, daß die, welche nicht heirathen, den größten Theil des Lebens — die Nachkommenschaft — abhauen; vorzüglich da, wenn Alle so dachten, das ganze menschliche Geschlecht sehr bald aufhören würde. Sie beobachten die angelobten Frauen drei Jahre lang, und nachdem sie zum Beweise, daß sie gebären können, dreimal gereinigt sind, heirathen sie sie. Mit den Schwangeren gehen sie nicht um, und beweisen, daß sie nicht aus Wollust, sondern aus Bedürfniß nach Kindern heirathen. Die Weiber haben auch Bader, wobei sie ihren Anzug anhaben, wie die Männer ihre Gürtel. — Solches sind die Sitten dieses Vereines." So weit der Bericht des Josephus, für den man nach diesem gräcisirten Colorit einen eigentlichen Anknüpfungspunkt vergebens in den jüdisch-religiösen Quellen sucht. Wir wollen aber das Gemälde ohne Schattirung und aufgetragene Färbung betrachten und uns nur an die Grundzüge halten. Vor Allem fassen wir die Benennung ins Auge. Josephus sagt §. 2: „die dritte Secte, die wirklich Heiligkeit (Frömmigkeit) zu üben scheint (6 xal fioxtZ a^evor^r« uoxhv), wird Essener genannt." Der Zusatz, „die wirklich Heiligkeit üben," scheint die Benennung Essener rechtfertigen zu wollen: „man nennt sie mitRecht so, da sie u. s. w. üben." Es liegt also in dem Worte Essener (bei den meisten Schriftstellern, und auch mitunter bei Josephus, Essä er) etwas, das eine solche Bedeutung ausdrückt. Für „Essäer" liegt, wie schon von anderen Seiten bemerkt wurde, das Hebr. tw, für „Essener," nach einer Bemerkung des Herrn L. Löw im „Orient," das hebr. »W nahe; nur werden wir genau nachzuweisen suchen, wie sowohl in diesem als jenem Worte sich eine charakteristische Bezeichnung für den Essäismus finde'). Schon im ersten Buche der Maccabäer 2, 24. kommen Assidäer vor. „Es versammelten' sich zu ihnen (dem Matthatias und seinen 1) Philo (Quod omnis probus über p. 876) sagt: „Sie werden Effaer benannt, nach einer meines Bedünkens nicht richtigen Ableitung aus der griechischen Sprache von dem ähnlichen Laute' Hofiotes^ (osior^s, Heiligkeit). Die Etymologie ist, wie Philo selbst bemerkt, unrichtig; doch wird auch hier dem Worte eine entsprechende Bedeutung zu geben versucht. Ueber die Etymologie Effaer von Arzt, und den barocken Einfall des Asaria di Rosst Meor Enajim c. 3, daß eigentlich rvo und unter dieser Benennung die Effaer gemeint seien, die sich, wie Josephus selbst erzählt, viel mit Arzneikunde abgaben, so wie über andere derartige Eonjecturen, gehen wir weg.