Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 435 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Recenfionen. 435 Wirkungskreis gefunden, um mit GemüthSruheihre Studie« fruchtbar durchfuhren zu können. Die Arbeiten würde« dann um so viel vollendeter werden, und die Thejlnahme für den Gelehrten Ln der wirkliche« Förderung achtbarer Gelehrsamkeit ihren Lohn finden. Wir komme« zur Sache. Das Werk, das wir vor Angen haben , ist in viele« Beziehungen lehrreich. Wir geben zunächst, einen Abriß desselben, nebst einigen Anmerkungen. In der Einleitung wird vor Allem der Begriff der verschiedenen Arten von Sätzen, welche hier Aufnahme fanden, recht gut dargestellt. Es wird der Unterschied zwischen Sprichwort und Marime dahin erläutert, daß letztere eine abstracte Regel, ersteres mehr eine specielle Erfahrung ansdruckt, häufig ans einer dramatischen Fabel entlehnt und auf fie anspielend; häufig aber auch, ohne daß man weiß wie, entstanden und verbreitet. Hierauf werden die biblischen und talmudische« Sprichwörter im Allgemeine« erwogen und der Werth nachgewiesen, den man bereits im Alterthum ans solche im Volke lebende Reden und Gleichnisse legteauch i«sheso«dere gezeigt, wie man dergleichen immer wieder auf biblische Anklänge zurückführte. Ueber Inhalt und Form der Sprichwörter wird einiger Aufschluß ertheilt; wir glauben, daß hier noch bedeutend mehr und Bestimmteres gesagt werden konnte. Statt aber hierüber mit dem Vf. zu rechten, hebe« wir lieber seine tretende Bemerkung (S. 16) hervor, daß kein einziger Ausdruck im Talmud körperliche Gebrechen dem Spotte bloßstellt, was von Enltnr zeugst (Außer Jak> Grimm konnten auch des Erasmus AUagia angeführt werde«- zum Belege, daß andere Völker dergleichen Scherze nicht schenkten.) Umständlicher spricht D> über die Sentenzen und Marimen, davon reichhaltige Sammlungen schon frühzeitig im Volke einheimisch waren, und sich im biblischen Kanon, in den Apokryphen, im Talmud und m spätexn rabbinischen Werken befinden. Ueber alle diese Sammlungen verbreitet sich die Einleitung, im Ganzen fich an die neuesten Forschungen anlehnend, und vielleicht deshalb st« Einzelnen etwas kürzer, als zu erwarten war. Ne« finden wir den Gedanken, haß Sir ach durch Empfehlung der Aerzte dem Fatalismus entgegen arbeiten wollte-. Ganz befreunden können wir uns damit nicht, und eher möchte uns der Grund seiner Aenßerungen darin zu liegen scheinen, daß damals die Arzneikunde bei den Juden erst anfing fich hervorzuthnn, und vielleicht eben dadurch an Würde verlordaß fie nicht mehr in den Händen einer hochstehenden Kaste war, vielmehr wohl, wie um jene Zeit nach Rom, so auch nach Asien hin, von Grieche«!and aus sich verbreitete, und wie dort, so auch hier, mancherlei Urtheile veranlaßt haben mag. (Vergl. PH». H. N; lib. XXIX.) — Bei Erwähnung der verschiedenen Sammlungen hätten wir gern eine innere Charakteristik des sittlichen Geistes, welcher aus denselben spricht, vorgefunden, und nicht blos die Herausstellung der wenigen Bemerkungen, die wir hier erwähnt haben. Man dabf nämlich nicht verkennen, daß der liturgische Gebrauch der Spruche der Väter einen vorzüglichen Autheil hat an der moralischen Bildung der späteren Juden, und um so wichtiger ist es, ihre Stellung zu sonst üblichen Sentenzen zu verdeutlichen, zumal fie, so weit wir schauen können, ganz und gar dem jüdischen Boden entsprossen find- und-fremde Impfung wohl nirgend.bekunden. Die übrigen haben als spätere Werke nicht so allgemeine Verbreitung gefunden, doch aber find sie mehr und minder Essenzen des Midrasch und als solche die Moral des Volkes. Die der spanischen Schule frei-