Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 432 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Zur Wissenschaft des Judenthums. Seidenfabrik hob, künstliche Gewebe für den König und den großen Hadschib Almanzor anfertigte, die Gunst des Letztern und die Bestallung zum Oberhaupte über alle Juden des Königreichs erhielt. Eie kamen nämlich zufällig in den Palast des mit den Angelegenheiten Tarragona's betrauten Ministers. Dorthin kamen gerade Deputirte aus Tarragona und beschwerten sich über ihren /Statthalter. Der Minister ließ sie nicht ausreden, sondern befahl, sie unter Beschimpfung und Schlägen ins Gefängniß zu werfen. Sie hatten aber zweitausend-Goldstücke als Geschenk mitgebracht, diese ließen'sie in eine der vielen Gruben am Ausgange falten, als man sie zum Hause hinausstieß, sie schrien, aber man hörte nicht auf sie, Jacob b. Gev und sein Bruder, gingen gerade vorbei, nahmen das Geld mit sich, und entschlossen sich, es zu Geschenken am Hofe anzuwenden, damit sie ihre Gegenpartei, die chanochische stürzen. Es gelang! Almanzor setzte den Jacob b. Gev zum Oberhaupte unter den höchsten Ehren ein, die Gemeinde von Cordova erkannte ihn sogar als erblichen Herrn an, und seine erste Handlung war, R. Chanoch mit Demüthigung und Todesandrohung abzusetzen. Josef b. Abitur wird eingeladen, aus dem Orient zurückzukommen, um das Nabbinat in Cordova zu übernehmen, er lehnt es demüthig und klüglich ab^ Nach einem Jahre aber wird ben Gev von Almanzor nicht blosabgesetzt, sondern ins Gefängniß geworfen, weil — — -er die Juden nicht genug'mit. Abgaben gedrückt! Er wird zwar, zufällig an einem Festtage von dem Könige Hischam .bemerkt, wieder auf freien Fuß gesetzt, aber sein Glanz und seine Herrschaft war für immer dahin, und R. Chanoch konnte sich jetzt ruhig feines Amtes erfreuen. Fassen wir diese Erzählung beim Puncte der Wahrscheinlichkeit, so bleibt uns kein anderes Mittel, als die entstellten Thatsachen zu reinigen und aus ihnen einen neuen Zusammenhang zu bilden. Wie A. b. D. die Dinge darstellt, müssen wir geradezu sagen, daß sie von einem schwachen Kopfe abgefaßt worden und nur von Schwachköpfen geglaubt werden können. Von der Charakterschilderung des großen Almanzor bis auf die vielen Gruben vor dem Palaste des Ministers paßt Alles höchstens zur Entstellungssucht einer Partei, nichts aber zum.Leben Almanzors und zu den Verhältnissen in Cordova unter seiner Verwaltung. Almanzor, der Besieger der Christen in 50 Schlachten, war nicht nur der größte Held und Regent seiner Zeit, sondern auch ein Mann von höchster Bildung'und Gerechtigkeit, und er wäre der Letzte gewesen, welcher den Ben Gev ins Gefängniß werfen ließ, weil derselbe seinen Glaubensgenossen nicht genug Steuern und Bestechungen abpreßte. Cordova hatte.damals so viele Straßen, wie es jetzt Häuser hat, und so viele Paläste, daß schwerlich der Minister in einem Hause wohnte, wovor so viele waren Die Sache wird aber gleich anders werden, wenn wir sie in spenden Gesichtskreis versetzen: Jacob b. Gev, das heißt: Sohn der Grube (2z und oder 22) war ein geschickter Gewerbsherr und von großem Edelmuthe.' Er hatte aber das Unglück, nicht zur Partei des Chanoch zu gehören, folglich war er vogelfrei. Er ist vielleicht plötzlich zu großem Vermögen gekommen, das er dazu verwendete, sei- 1) Ich habe absichtlich das hebräische Wort hierhergesetzL, damit ein scharffinniger Kritiker nicht, etwa eiuwende: 'p-pvs 82N man hat gerade gebaut am Palaste. Das hebr. Wort deutet auf ganz natürliche. Vertiefungen und Gruben, wie sie vor einem Bauerhofe, nicht aber vor dem Hotel eines Großen . in Cordova zu jener Zeit sein konnten.