Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 421 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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421 Die Construction der jüdischen Geschichte. einander, aus. Sternheim hat die metaphysische Seite, Hirsch (den Ustel) die religiöse und Salvador die social-legislative Seite des Judenthums hervorgekehrt. Es fehlt nur noch an einem umfassenden Princip des Judenthums, das alle diese Seiten in sich befaßt und vereinigt, welches Princip sich in sämmtlichen Erscheinungendes jüdischen Lebens, den dogmatischen, religiösen, politischen, geschichtlichen bis selbst in ihrer verkümmertesten Gestalt abspiegeln muß. Doch diese Betrachtung gehört nicht zur Construction der Geschichte, da sie der Zukunft vorgreift. \ Meine Aufgabe war, nachzuweisen, daß die letzte Periode der jüdischen Geschichte, die ich die diasporische genannt habe, eine eigenthümliche, specifisch von den vorhergegangenen verschiedene Bewegung hatte, und diese Bewegung hat sich uns als eine theoretische erwiesen. Von dem'unmerklichen Punkte der halachischen Discussiönen an, durch die drei Phasen, der agadisch-philosophischen, rationelle n und der sp e c ul a t i v en Schulen, haben wir diese Bewegung verfolgt, bis wir an die Gegenwart anlangten. Dieses theoretische Moment konnte sich nur im Weltleben, d. h. in der Zerstreuung vollbringen, welche wiederum ein Gegengewicht gegen eine allzu schroffe Erpansionsthatigkeit im Talmudismus haben mußte. Die strenge Religiosität hat dann immer die gefährlichen Consequenzen der Theorie gemildert und unschädlich gemacht. So hat der Geschichtsverlauf des Zudenthums drei Momente in die Erscheinung gesetzt: a) das politisch-sociale in der ersten vorerilischen Periode, b) das religiöse in der nacherilischen und c) das theoretisch - philosophische in der letzten diasporischen Periode. Und da sich diese drei Momente geschichtlich ausgeprägt haben, so müssen sie in der ursprünglichen Idee des Judenthums, wie der Baum im Pflanzenkeime, gelegen haben, und es stellt sich nach dieser historischen Ansicht heraus, daß e'ö die Aufgabe der judenthümlichen Gottesidee zu sein scheint, eine religiöse Staatsverfassung zu organisiren, die sich ihrer Thätigkeit, ihres Zweckes und ihres Zusammenhanges mit dem Weltganzen bewußt ist.*) G r a tz. *) Der Herr Verfasser hat in einer Nachschrift eine^. weitere Auseinandersetzung seiner Aeußerung Marzheft S. 89 gegeben und die dortige Rüge abzuwenden versucht. Wir freuen uns, daß der Verf. im Wesentlichen mit unserer Ansicht übereinstimmt, und bedauern nur, wegen Gedrängtheit des Raumes diese Nachschrift hier nicht wiedergeben zu können. 8> T