Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 420 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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42Ö Die Construction der jüdischen Geschichte. es war ihm der Begriff seiner Würdigkeit abhanden gekommen, auch dieser mußte ihm gelehrt werden. Es dauerte darum einige Zeit, bis dasJudenthum sich in der Welt orientiren,bis es sich selbst wieder finden konnte. — Mittlerweile war der Kreis der „ewigenWahrheiten" durch den Fortschritt der kritisch-speculativen Schulen erweitert und bereichert 'worden. Findet man jetzt die ewigen Wahrheiten nicht blos in den Gedanken des Geistes, sondern in einem noch viel höher» Grade .in den Thaten des Geistes, nicht blös in dem Formalismus der Logik, in den Abstractionen der Metaphysik und in der Aeußerlichkeit der Natur, sondern ganz besonders in den konkreten Gestaltungen der Kunst, Wissenschaft, Religion, in dem Compler aller dieser Faktoren, in S t a a t s b i ld u n g und ganz besonders in den Evolutionen der Geschichte: so hat das Judenthum nur diesen Standpunkt einzunehmen, und seine philosophische Rechtfertigung muß ihm leicht werden, von dem Standpunkte einer objektiven, vorurtheilslosen Geschichtsbetrachtung aus hat das Judenthum gewonnenes Spiel.—Hegel zwar hat das Judenthum noch mit krassem Vorurtheil behandelt, in der Religionöphilosophie fertigt er es ab mit der Formel: „Religion der Erhabenheit" als ein untergeordnetes Moment; in der Philosophie der Geschichte wirft er es in die Olla potrida der „persischen Religionsanschauung", womit er auch die durchaus widerstrebende ägyptische Anschauungsweise zusammenrührt. Das Judenthum aber ist durchaus kein Product des Orients, sondern bildet gerade einen schroffen Gegensatz zu demselben. Mehr Gerechtigket hat das Judenthum schon Branis abgerungen, wenigstens das Judenthum ante Christum natum. Er betrachtet es als eine vom,Heidenthume — das sich in den fünf stufengängigen Völkerentwickelungen, dem chinesischen, indischen, ägyptischen, sabäischpersischen und griechischen vollbringt — generisch verschiedene Schöpfung der Geschichte, die freie Geistigkeit gegen die natürliche Gebundenheit: beide aber, Heidenthum wie Judenthum, durchlaufen parallele Entwickelungsstadien, bis sie sich einander nähern und beide Daseinsweisen von dem Christenthum vermittelt und versöhnt, d. h. absorbirt und aufgehoben werden. Durch eine solche Geschichtsbetrachtung wird aber das Judenthum ebensowenig aus dem Buche der Lebendigen gestrichen, als durch die-neusten Tendenzen im Schooße der Synagoge, es als ein wenig genjrendes Abstraktum anzusehen, cs aus der Energie der That in die Verschwommenheit der Gefühlsreligiosität zu verlegen. Es ist aber auch in neuster Zeit jüdischer Seits ein guter Anfang gemacht worden, die verschiedenen Seilen des Judenthums in ihrer Fülle und Reichhaltigkeit zum Bewußtsein zu bringen.; Von drei begabten Persönlichkeiten gingdiese Anregung, unabhängig von