Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 418 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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418 Die ConstrucUon der jüdischen Geschichte. niß anfing fühlbar zu werden und eine geniale Persönlichkeit sich des Problems bemächtigte, trat auch sofort eine neue Richtung ein. Die dritte Phase beginnt mit Mendelssohn, dem Geschäftsführer einer Seidenhandlung. Die jüdischen Denker hatten in der Regel keine officielle Würde, keine mit ihrer Denkbeschäftigung in Verbindung stehenden amtlichen Functionen; Philo, Jehuda-halevi, JbnEsra, Maimuni, Nachmani waren durchaus unbeamtete Theologen, sie theilten die Früchte ihrer Geistesbestrebungen unentgeltlich mit, wieMoscheh die vom Sinai erhaltene Thora. — Mit Leibnitz und Wolf hatte sich die Philosophie in Deutschland niedergelassen.' Mendelssohn hatte nicht wenig dazu beigetragen, sie, die sich bisher in einem steifen schwerfälligen Formalismus bewegte, davon zu befreien, sie beweglich und genußreich zu machen, und in diesem Sinne mag er mit Recht den Namen „jüdischer Sokrates" führen. Wie Sokrates die Philosophie von dem Sternenzelte in die Wohnungen der Menschen einführte,' so hat auch Mendelssohn sie aus der Ungenießbarkeit der Formel befreit und sie humanisirt. Doch auch in einem andern Sinne kann Mendelssohn der jüdische Sokrates genannt werden. Wie Sokrates, war er durch und durch Philosoph, jeder Zoll an ihm ein Weltweiser, ohne doch ein philosophisches System zu haben; er wirkte, wie dieser, anregend, befruchtend, er hat für die Philosophie die sokratische Hebeamme-Funktion verrichtet. — Wie tief eingreifend seine Befruchtung für die äußere und innere Geschichte des Judenthums war, ist der Gegenwart nur allzu sehr bekannt. Mendelssohn wird als Contrapunkt der jüdischen Geschichte angesehen. . Viel hat Mendelssohn für und über das Judenthum geschrieben, aber sein System des Judenthums ist nur skizzenhaft entworfen und zwar in seinem „Jerusalem," das erst durch eine äußere Veranlassung ihm gleichsam abgenöthigt worden war.. Indessen so skizzenhaft sein System auch ist, so offenbart es doch schon eine n e u e Richtung der judenthümlichen Theorie. Diese Richtung will nicht mehr an ein außerhalb des Judenthums gerechtfertigtes Pr incip anknüpfe n, sondern in sich selbst den Schwerpunkt haben. Wiewohl sich Mendelssohn, wie viele jüdische Denker, z.-B. Salomon Maimon, an dem maimunischen Moreh zu Philosophen geschult hat, so ist doch gleich sein erstes Princip ein direkter Gegensatz zu dem Principe Maimuni's. -— - „Das Judenthum ist keine geoffenbarte Religion, sondern eine g.eoffenbarteGesetzgebun g," d. h. das Judenthum hat nicht die Tendenz, „ewige Wahrheiten" zu lehren, sondern eine Richtschnur der Handlung änzugeben: „Du sollst thun, Du sollst nicht thun," das ist der Angelpunkt des Judenthums. Diese geoffenbarte Gesetz-