Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 417 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Constructiön der jüdischen Geschichte. 417 rung für die hochbegabte, fast ideale Erscheinung Maimuni'ö fühlte. Durch diesen Streit über den Moreh und über die philosophische Verbindung mit.dem Judenthume, woran sich die Summitäten eines Jahrhunderts betheiligt haben, gewann die theoretische Ausprägung der judenthümlichen Idee, wenn auch nicht an Intensivitat, doch an Ertension ungemein. Was früher die Geister in der stillen Abgeschiedenheit des Studirzimmers beschäftigt hatte, das wurde eine lauteThat, setzte dieGemüther in Spannung und wurde ein Gährungsstoff der jüdischen Geschichte. Selbst der Mißbrauch und die Karrikatur blieben nicht aus. Die alten Zeiten des jüdischen Alerandrinismus kehrten wieder; das trockne Factum der biblischen Geschichtserzahlung wurde abermals nach - maimunischem Muster in Allegorie umgesetzt, die metaphysischen Schlagwörter „Stoff,. Form, thatige Vernunft, leidende Vernunft" — n-iiL “min isMtti, teisn b:ia,—spukten überall herum, wurden in jedem Bibelverse, injederAgadastelle wiedergefunden,welchem Mißbrauch der edleAd er eth Schranken zu setzen sich genöthigt sah. Auch die Skepsis stellte sich ein in Samuel harya und ben Caspi, wie es in dem heißen Geisteskampfe nicht anders erwartet werden konnte, und wenn nicht gerade der Fanatismus Ferdinand's des Katholischen und Torquemado's deS Großinquisitors durch blutige Edicte des Erils, der Tortur und der Scheiterhaufen diese im Gähren begriffene Richtung gehemmt hätte, so wäre die theoretischeKlärung des Judenthums vielleicht schon viel weiter gediehen. Mit den spanischen Erulanten, mit den gehetzten Schlachtopfern der Inquisition fand die maimunisch-jüdische Philosophie Asyl und Verbreitung in den türkischen Ländern, in den italienischen Staaten, in den, Welthandel treibenden Niederlanden. Die Rudera dieser, versprengten Philosophie haben an der Geburt des Spinocismus mit gearbeitet, so wie die philonisch-agadische Richtung den Neoplatonismus hat erzeugen helfen'. — Die Geschichte der Philosophie sollte gar nicht so spröde und vornehm gegen daS Judenthum sich benehmen; mancher Baustein ihrer Systeme ist den Trümmern des Judenthums entnommen. — - Als die Allmacht der aristotelischen Philosophie von dem englischen Naturalismus und dem neuen Aufschwünge, den die Philosophie durch das cartesischePrincip: cogito, ergo sum, gebrochen wurde, mußte auch das Judenthum sich nach einem andern Principe Umsehen. Die aristotelischmaimunische Richtung konnte nicht mehr befriedigen. Zwar wurde ein ganzes Jahrhundert von Manasse b. Israel bis auf Mendelssohn das Bedürfniß nach philosophischerRechtfertigung des Judenthums nur sehr wenig gefühlt. ' Dieses Jahrhundert hatte einen durchaus langweiligen Charakter, dessen Trockenheit eben die neue Mystik der Schule Lurja's hervorgerufen haben mochte. Aber als das Bedürf- Frankel, Zeitschrift Ul. 32