Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 416 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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416 Die Eonstructio» der jüdischen Geschichte. Es ist hier nicht der Ort, die Vorzüge und Mängel des maimunischen Systems zu beleuchten, und nur-auf die erfolgreiche Wirkung soll aufmerksam gemacht werhen, die es für die jüdische Geschichte hatte. Durch den Moreh, der bald das Grundbuch aller jüdischenDenker wurde, entstand in den jüdischen Gemeinden dreier Welttheile eine innere Entzweiung, es traten Denkgläubig e, die das Judenthum philosophisch gerechtfertigt wünschten, und Naiv gläubige, welche von der philosophischen Beleuchtung des Judenthums das Schlimmste fürchteten,^einander gegenüber. Angeregt war diese Entzweiung durch die untergeordnete Stellung, die Maimuni dem Judenthuine gegenüber, der aristotelischen Philosophie angewiesen , zunächst aber durch das Dogma von der Entstehung, über welches Maimuni keine feste Ansicht hatte; er mochte weder rnit Aristoteles die Ansicht von der Welt theilen, weil sie ihm nicht sicher genug demonstrirt däuchte, um sie gegen den klaren Sinn der Offenbarung zu behaupten, noch mit Saadias und andern Dogmatiken die zeitliche Entstehung der Welt zum Princip des Systems annehmen, weil dieses erst metaphysisch begründet sein müßte. „Wenn nuv die Ewigkeit der Welt durch Demonstrationen von Aristoteles erwiesen wäre, so wäre der anscheinende Widerspruch der Offenbarung dagegen nicht erheblich genug, denn man hätte die widerstrebenden Verse dahin deuten können — ma*ip ‘nasnVi ann a^piasn iv-si> a-^v wi nLisn. Die Pforten der Deutung sind nicht verschlossen." Das war die Consequenz des maimunischen Systems. Von Frankreich aus, von Montpellier, brach der Sturm gegen diese Consequenz los, der Moreh wurde mit Bann belegt, so sehr man auch allgemein die höchste Verehandern Bestimmungen. Der Opfercultus überhaupt war eigentlich eine Nachsicht mit der schwachen, am Heideathum Hangenden, Gewohnheit des Volkes gewesen. Darum nenne ich diese Erklärungsweise rationalistisch, weil sie nicht aus dem inner» Begriff des Wesens sich ergiebt, sondern von Außen herangebracht wird, and dadurch lediglich den Charakter eines guten Einfalls hat. Oder kann sich Hr. vr. Beer mit der maimunischen Erklärung befreunden, daß das Raucherwerk nur vorgeschrieben war, um den von den Opferthiereu herrühreuden üblen Geruch im Vorhofe des Tempels zu verscheuchen? (ibid. 45.) oder mit der Ansicht, daß die Aeinigungsbestimmungen— rnf-iai iusarä — nur dazu da waren, um die Besuche in dem Tempel recht selten zu machen, weil durch häufigere B esuche der Eindruck des Erhabenen und Ehrfurchtsvollen, den der Tempel Hervorbringen soll, verloren gehen würde? (ibid 47.) Nicht weil Maimnni's Theorie meiner Ansicht widerspricht,, habe.ich sie so bezeichnet, sondern weil sie es an sich ist, und „große Lehrer" des Judenthums habe» diese Schwäche der maimunischen Theorie langst erkannt und widerlegt, wie es Hrn. vr. Beer wohl bekannt ist. Seit wann ist es im Judenthum Gebrauch, bei wissenschaftlichen Forschungen auf das Wort des Meisters zu schwören?