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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-11-01 · 11 (November 1846) · p. Seite 412

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
11 (November 1846)
Date
1846-11-01
Page
Seite 412 (sequence 14)
Language
German
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412. Zur Geschichte der hebräischen Poesie, hinzuzufügen; ein Hinweglassen des einmal Eingeführten lag weniger im Geiste der Gesammtheit, und konnte auf den ältesten Kern, gar nicht ausgedehnt werden, um so weniger, als in ältesten Zeiten der Borbeter förmlich als Stellvertreter betrachtet wurde, dem die Andacht des Zuhörers unbedingt folgte. Auf diese Weise mußte das jüdische Erbauungsbuch (?) für öffentlichen und Privat-Gottesdienst schon vor dem Eintritt der poetischen Behandlung des Gebetes zu einem bedeutenden Umfang gelangen, so daß ein allmäliger Stillstand, — wie ich ihn nach Abschluß des Talmud für wahrscheinlich halte — begreiflich wird. — Dem Lehrvortrag war, so lange kein inneres Moment hemmend eutgegentrat, feint andere Schranke als die der Zeit gesetzt. Die Synagoge war häufig Bet- und Lehrhaus. Jedoch war die Belehrung in der H a l ach a, d. h. im Gesetze und Rechte bis in die kleinsten Besonderheiten nur für den engern Kreis der Schriftkündigen und Gesetzgelehrten oder „Weisenschüler;" die freie Rede (Haggada) — welche in Form von Bibel-, auslegung (Derusch, Midrasch)an die vorgeschriebenen und üblichen Pericopen das gesammte Wissen, Wollen und Fühlen der Zeit anknüpfte, also die Mitte zwischen Erbauung und Belehrung, im strengsten Sinne dieser Worte, hielt — für die ganze Synagoge, Volks- oder Familienversammlung passend und berechnet. Diese Art des Vortrags mußte also allmälig sich sondern, dem eigentlichen Gottesdienste näher rücken und wenigstens in Rücksicht auf das Maaß mit dem Gebete in Wechselwirkung treten. Ihrem Inhalte nach war die Haggada ein eigenthümliches Gewebe aus allen geistigen und materiellen Interessen — nur die sog. Geheimlehre mit ihren philosophirendenUntersuchungen und Phantasien hatte sich frühzeitig in eine besondere verborgene Stätte der Rede und Schrift geflüchtet —; von einer encyklopädischen Sonderung deS 'Stoffes ist im ganzen Verlauf der Haggada fast keine Spur-wahrzunehmen; die homiletische Form hat es nie zu einer vollendeten Theorie gebracht; der Gebrauch gab das Gesetz für die Handhabung des mannigfaltigsten Materials, und diese, namentlich das Verhältniß der Haggada und Halacha betreffend, gestaltete sich nach Zeit und Ort, namentlich auch je nach dem Organ der Mittheilung, d. h. je nachdem wir in dem uus vorliegenden Schriftthum ursprüngliche mündliche Vorträge, gewissermaßen Improvisationen oder spätere schriftstellerische Formgebung erkennen. Eine nach Zeiten und Räumen gegliederte specielle Geschichte der haggadischen Form wäre für jene dunkele Uebergangsperiode, aus welcher so wenig andere literarische Thätigkeit bekannt geworden, von großer Wichtigkeit, und es ist zu bedauern, daß man über die Grundlinien in Zunzens, mehr der kritischen Richtung sich hingebenden Buche (Cap. 19.20) noch nicht hinaus gekommen. Für unfern nächsten Gegen-

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