Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 411 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2744856-2744883-2744895--1377-2746350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Geschichte der hebräische« Poesie. 411 chungen eingegangen werden, die wir hier blos angedeutet haben, um dem Leser einen Begriff von dem Gang derselben zu geben"). — Ist der Ursprung der hebräischen Poeste jedenfalls im Orient zu suchen, und war sie im 9. Jahrhundert bereits auf allerlei.Stoffe angewendet, so wird es uns nicht wundern, wenn die ersten Spmen poetischer Thatigkeit in Italien und Spanien fast mit dem ersten literarischen Auftreten jener Länder zusammenfallen. In Mittel- und Süditalien vereinigte sich alte Gelehrsamkeit im jüdischen Gesetze mit der neuen Cultur"), die sich indem ArzteSabbataide Nola (geb. 913)und Kalir kund geben. Nach dem bekannten Zeugnisse Charisi's begannen in der Mitte des 19. Jahrhunderts die poetischen Vögel in Spanien zu zwitschern, dasselbe bestätigt eine handschriftliche Abhandlung (?) über Poetik im Vatican (Nr. 225), vielleicht nur Eharisi'ö Zeugniß wiederholend — oder gar sein eigenes —, wenn Assemanni ein Fragment aus dem „Tachkamoni" nicht -erkannt hat. — Das älteste Denkmal jüdischer Literatur in Spanien ist aber der erwähnte Brief des Ministers Chisdai (959) mit Akrostich und Reimprosa. Fast in dieselbe Zeit fällt die Verpflanzung talmudischer Gelehrsamkeit aus Italien nach dem bis dahin ohne literarische Fruchtbarkeit gebliebenen Spanien. Also auch hier die Anfänge der Poesie nicht blos auf Liturgie beschränkt. Von da an und weiter nimmt die hebräische Poesie eine, der allgemeinen Culturstufe entsprechende, verschiedene Richtung, zeigt eine Reihe von Gestaltungen, die jetzt den technischen Namen Pijjutim führen, als förmliche Kunstprodukte zu betrachten und hier flüchtig zu charakterisiren sind.- Der jüdische Gottesdienst bestand seit.Aufhebung des Opferkultus hauptsächlich aus zwei Elementen, welche als Erbauung und Belehrung bezeichnet werden. Jene bewirkte das Gebet, diese die Vorlesung aus der Bibel und der angeknüpfte Lehrvortrag (Predigt). Beide waren ursprünglich frei und unformulirt, aber nur letzterer, dem Gelehrten allein überlassen, konnte sich auf die Dauer in dieser Freiheit erhalten; von dem Wissen und Denken des Lehrers, von der Richtung der Zeit hing die Form des LehrvortrageS ab. Das Gebet, auch den Ungebildeten und Unwissenden zur Pflicht gemacht, mußte für diese geformelt werden, oder vielmehr die von Gelehrten und kundigen Vorbetern formulirten Gebete wurden stehend, und nur den Vorbetern selber blieb noch einige Freiheit, die alten Stereotypen auszuschmücken, zu erweitern, ein Neues 14) So z. B. waren noch die Anführungen von Gebeten in der Midraschim ans verschiedenen Perioden (Znnz, S. 146, 277, 313, 346 u. s. w.) genauer zn untersuchen, um die formale Umgestaltung näher zu erkennen und der Zeit nach zu bestimmen. 15) S. Litbl. 1843. S. 7. Sachs S. 179. 205.