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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-11-01 · 11 (November 1846) · p. Seite 410

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
11 (November 1846)
Date
1846-11-01
Page
Seite 410 (sequence 12)
Language
German
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410 Zur Geschichte der hebräische» Poesie. Luzzato hätten die babylonischen Juden von den syrischen Christen das Verfassen reimloser liturgischer Poesien gelernt, und zwar schon am Anfang des 8. Jahrh. oder nochsrüher, ja Luzzatto hat sich in neuster Zeit veranlaßt gefunden, auch Kalir nach Babylon und in eine frühere Zeit zu versetzen, obwohl sich bei Kalir schon die vollständigste Reimkunst findet! Etwas konsequenter ist Sachs, der Kalir vorläufig noch in Italien laßt, aber mit Rücksicht auf jene Einwirkung der Syrer (s. S. 176, 178, 339), den obenerwähnten Term „Peitan" und andere spätere Zeugtliffe annimmt, daß „die unmittelbar auf den Abschluß des Talmuds folgende Zeit nicht minder fruchtbar in der Abfassung neuer Gebete war," und zwar sollen diese und die Erweiterungen der alten Gebete eine „einfache kunstlose Form" gehabt haben, und alles dies ward „als ein abgeschlossenes Ganze der Folgezeit übergeben, welche, die einmal festgestellte Ordnung unverändert bewahrend, innerhalb der gezogenen Kreise eine neue Thätigkeit entfaltete, indem sie die wichtigsten Partien der Liturgie, die bedeutsamsten Momente des religiösen Lebens mit künstlich geformten Poesien ausschmückte." Sachs rechnet demnach jene von Luzzato mit den syrischen verglichenen Gebete zu den „kunstlosen Pijjutim" und doch führt Luzzato als Beispiel jenes Gebet auf, dessen Künstlichkeit ich so eben nachgewiesen! Die sog. Abschließung der Gebete geschah zuerst durch Amram (o. 870) und noch einmal durch Saadja (o. 920), und wir haben gesehen, daß um diese Zeit auch der Reim und alle andern poetischen Behelfe bereits überall eingedrungen waren. Darum glaube ich, daß irgend eine Trennung der liturgischen und außerliturgischen Poesie zur Zeit ihrer Entstehung zu keinem wissenschaftlichen Resultate führe. Ob die überhaupt unfruchtbare Periode der Saboraim und ersten Gaonim eine bedeutende Thätigkeit in Verfertigung von neuen Gebeten entwickelt, ist fraglich, denn in solchen Perioden der Unselbstständigkeit hält man sich gewöhnlich an das Gegebene. Allenfalls könnte die Einführung bereits vorhandener Formeln und nicht eigeiUlichcr Gebete in die Liturgie jener Zeit zugewiesen werden. Hingegen möchte ich, nach dem Obigen, diejenigen Theile der Liturgie, an welchen bereits selbstbewußte Kunstform wahrnehmbar ist, erst in die zweite Hälfte des 8. Jahrh. verlegen und dem Einfluß der neuen Cultur zuschreiben, welche auch die Po etik mit einschloß, und alle rein schriftstellerischen Produkte der Form nach umgestaltete. Wir würden also auch jeden etwaigen Einfluß syrischer Christen in diese Zeit verlegen, wo die Syrer selbst in nähere Gemeinschaft mit Juden traten. — Soll man in diesen schwierigen Forschungen endlich zu größerer Klarheit und Bestimmtheit gelangen, so muß noch auf allerlei ganz specielle Untersu-

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