Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 409 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der hebräischen Poesie. ' 409 tragen war. Wichtig ist noch der Umstand, daß der Bezeichnung: PojeteS (Pajtau, Pajtana, Pajjat, aramäische Umwandlung des griechischen: Poet) und das daraus abgeleitete Pijjut noch im 9. Jahrhundert (bei Menachem und Donolo) jede Art von Dichter und Dichtkunst bezeichnen, und erst spater auf den Kreis derLiturgie beschränkt wurden. Ja die Zeugnisse für die frühe Anwendung jener Termen, so wie auch des Ausdrucks „Alphabet" aufSynagogalPoesien erweisen sich bei näherer Ansicht als ungenügend, so daß der Anfang der liturgischen Poesie und der neuhebräischen Poesie überhaupt am füglichsten mit dem obengeschilderten Eintritt der arabischen Wissenschaft, mit dem Erwachen eines sprachlichen Bewußtseins überhaupt zusammenfällt, wie denn auch der weitere Verlauf der poetischen Form mit der Geschichte der hebräischen Philologie zusammenfällt. — Gegen den etwaigen Einwand, daß Poesie und Philologie sonst allgemein in feindlichem Verhältniß stehen, muß in Erinnerung gebracht werden, daß die neuhebräische Poesie von ihrem ersten Erscheinen an eine mehr künstliche als natürliche — wenigstens eine ungewöhnliche in Rücksicht auf das Verhältniß der Sprache zum Leben, auch nicht mit dem Maaßstabe anderer Nationalliteraturen gemessen werden darf. Wichtiger schiene der Einwurf, daß wir an den erwähnten ältesten Dichtungsreften das Metrum vermissen, und nicht abzusehen sei, warum mit den andern Formen arabischer Kunst nicht auch gleich daS Metrum mit herübergekommen sei. Dagegen bemerken wir, daß die künstliche Nachbildung des arabischen Metrums im Hebräischen eben nur bei einer weiter entwickelten Sprachkunde Statt finden konnte, während zum Reim und allen andern Behelfen der'Kunst (z. B. Akrostichon) mehr Elemente in der bisherigen Sprachgestaltung selbst gegeben waren (s. Sachs S. 339 ff.). Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die hebräische Poesie wie eine Minerva aus dem Haupte der arabischen fertig hervorsprang; eben so wenig als das jüdische Geistesleben überhaupt durch das arabische wie mit einem Zauberschlage umgewandelt wurde. Es lassen sich hin und wieder die Ilebergänge und Mittelstufen der Kunstformen Nachweisen. So z.B. finden wir in einem reimlosen Gebete, welches vielleicht schon Saadja oder gar Amram (o. 870) erwähnt (s. Dukes, Ehrens. S. 5, 95. Luzz.S.11), Strophenbau, Refrain, und wie ich glaube Anfänge von Kettenversen, da das Endwort des 3. u. 6. Gliedes im Anfang des 4. und 7. wiederkehrt. Solchen schriftstellerischen Produkten gegenüber erscheinen die älteren Gebetstücke, die sich durch die Erwähnung im Talmud als solche bewähren, wesentlich verschieden. Es handelt sich aber namentlich um die Übergangsperiode (600—800) für die Richtigkeit unserer Hypothese. Rach