Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 408 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Zur Geschichte der hebräische» Poefie. Port'") und Zunz lassen ihn um 970 in Italien (Cagliari) dichten, Und dies stimmt so zu der ganzen Entwickelung jüdischer Literatur jener Zeit, daß die in letzter Zeit von Landauer, Luzzato und zum Theil von Sachs angeregten Zweifel und Hypothesen mir in der Hauptfrage — nämlich ungefähre Zeit und Ort der ersten Verbreitung der Poesien Kalirs — nicht erheblich scheinen. Wer aber-eine Quelle sucht, muß den Lauf des Flusses stromaufwärts verfolgen. Suchen wir also die Documente hebräischer Poesie der Zeit nach rückwärts. Sowohl der berühmteBriefdes Chisdai B.JsakandenKönigderChasaren(959— jedoch nicht die Antwort des Königs) so wie auch das Werk des Astronomen Sabbatai de Nola aus Aversa (925)' enthalten Akrostich und Reimprosa (wie sie schon im Koran vorkömmt), aber kein Versmaß, welches letztere im Hebräischen ohne Zweifel dem Arabischen nachgeahmt, und, so weit bekannt, zuerst in einem Gedicht von Dunasch L. Librat vorkömmt"). Wir finden aber auch strophisch geordnete gereimte Gedichte (ohne Versmaß) bei Karäern zu Anfang des 9. Jahrhunderts als poetische Epistel und.deren Eingang"). Das älteste uns bekannte Reimgedicht wäre demnach dasjenige von Saadja Gaon (892 —942), welches die 613 Vorschriften des jüdischen Gesetzes in den Dekalog hineinträgt. Man nennt diese Art Gedichte, wie sie nach Saadza von vielen Autoren verfaßt wurden: Asharöt (Gebote). Sie wurden und werden noch am Pfingstfest in der Synagoge und zwar ursprünglich nur vom Vorbeter vorgetragen. Ob Saadja sein Gedicht geradezu für die Synagoge geschrieben habe"), ob ähnliche Arbeiten aus dem 9. Jahrhundert poetische oder rhetorische Form hatten, und nicht blos halachische Arbeiten waren, muß noch erwiesen werden. Von JehUda B. Koreisch (um 900 in Fes) wissen wir, daß er in seiner arabisch geschriebenen wissenschaftlichen Epistel den Reim gebraucht, und vermuthlich thaten dies auch die vornhin arabisch schreibenden Juden, da die poetische Form bei den Arabern schon früher auf jeden Inhalt über- 10) Dessen Biographie Kalirs bildete den Grundstein zur Gesch. der jüd. Liturgie. — Sachs' interessante Bemerkung über Kalirs Sprachbehandlung (S. 206, 270, 336) kann nur in der Geschichte der damaligen Sprachkunde ihre Erledigung finden; wir kommen noch darauf zurück. 11) Salmon Ben Jerucham und Menachem Ben Josef bei Geiger, Zeitsch. V, 268. 12) Ker. Chem. VH, 79. vgl. Litbl. 1843 S. 411. Sachs, rel. Poefie S. 250. 13) S. Dukes, Beitr. u. s. w. S. 13. Zur Kenntniß ü. s. w. S. 146 s. Luzzato, Virgo S. 11.