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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-11-01 · 11 (November 1846) · p. Seite 407

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
11 (November 1846)
Date
1846-11-01
Page
Seite 407 (sequence 9)
Language
German
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407 Zur Geschichte der hebräischen Poesie. also von äußerlichen Rücksichten in jeder Beziehung möglichst losmachen, und auch ihr äußeres Fachwerk, Eintheilung, Bezeichnung u. s. w. aus inneren wesentlichen Bestimmungen sich gestalten lassen. Wir haben also erst zu untersuchen, inwieweit die synagogale oder liturgische Poesie sich als ideale und historische Kategorie von der Poesie überhaupt aussondert. In Beziehung auf Wissen sch aft und Poesie hatdasJuden- und Araberthum fast entgegengesetzte Schicksale erfahren. Das Judenthum hatte schon zur Zeit der ersten Griechenherrschaft in Asien sich mit der „griechischen Weisheit" versetzt, während Arabien erst ungefähr ein Jahrtausend nachher dazu berufen ward, die Leuchte des Wissens und Forschens durch finstere Jahrhunderte zu tragen. Hingegen die Sänger Juda's, welche an Babel's Weiden ihre Harfen aufgehängt, und nach den letzten Freiheitsklängen im Nationalkampfe und Siege der Makkabäer unter dem Treiben römischer Landpfleger, krämerischer Hohenpriester, den mahnenden Ruf und' ernsten Streit der Gesetzeslehrer hatten verstummen und verkommen lassen, begannen einen neuen bisher ungekannten Sang,, als Arabiens freie Lerchen und Nachtigallen bereits ihre besten Lieder ausgesungen, und Künstsänger im Käfig vorgeleierte Melodien einlernen mußten. Die Entstehung der Poesie unter den bereits durch Jahrhunderte Vaterland und eigenthümliche Sprache (im Leben) entbehrenden Juden ist ein interessantes, noch ungelöstes Räthsel der Culturgeschichte. Gewiß besitzen wir nicht mehr die ersten Klänge jener neuerwachten, jedenfalls von fremdem Boden herübergepflanzten Poesie, und die ältesten, die wir besitzen, sind so wenig der Zeit nach sichergestellt, daß selbst die scharfsinnigsten Combinationen und gründlichsten Nachweisungen alle Augenblicke in Frage gestellt werden können, durch ein einziges, bisher unbekanntes, auch nicht ganz sicheres, Citat umzustürzen drohen! — Eine Eigenthümlichkeit der jüdischen literarischen Forschungen überhaupt, eben so anregend für die Geistesthätigkeit, als unbequem für den Wissensfortschritt. — Ich glaube aber, daß man auf so unsicherem Gebiete der Kritik so lange an diejenigen Ansichten halten müsse, die aus einer Gesammtbetrachtung des periodischen Verlaufes sich ergeben haben, als nicht die neuentdeckten angeblich widersprechenden Thatsachen zuerst über alle kritische Zweifel diplomatisch sicher, dann aber auch im Zusammenhänge mit der ganzen Entwickelungsgeschichte zu neuen befriedigenden Ansichten führen. Die ganze Entwickelungsgeschichteder hebräischen Poesie dreht sich nach den jetzigen Vorlagen um das Zeitalter und Vaterland des berühmten Poeten Kalir, von welchem die Liturgischer Festtage u. s. w. so reichlich bedacht worden. Rapo-

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