Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- Seite 403 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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403 Zur Geschichte der hebräischen Poesie. mitunter auch aberwitzige, ernste oder finstre, malende oder pinselnde des Originals, und nicht immer zum Vortheile des ersteren! Bon denjenigen gar nicht zu reden, welche Farbe und Costüm ganz abstreifen, das Alte in ein Modernes Übersetzerin der Voraussetzung, das zu geben, was jeneAlten, wenn sie heute lebten, redeten und schrieben, geredet oder geschrieben hatten, — wobei nur das Eine außer Acht gelassen ist, daß es dann gar nicht mehr jene Alten waren. So müssen wir denn „die Poesie des Talmud und Midrasch"als eine für die Kunst-' geschichte nicht uninteressante noch zu lösende Aufgabe bezeichnen. Mehr ist für die sog. religiöse Poesie des Mittelalters im letzten Decennium geschehen. Um, uns aber bei der näheren Betrachtung des Ganges, dieser Forschungen nicht zu unterbrechen, erlauben wir uns hier eine kleine Einschaltung. Während , die oben erwähnte Thätigkeit ihren Gipfelpunkt erreicht hatte, und bereits allerlei Auswüchse und Schmarozerpflanzen trieb, die mitunter aus unjüdischem Boden herübergetragen, aber unkenntlich geworden^ warf die aus Griechenland über Syrien nach Irak verpflanzte Wissenschaft und Cultur zum zweitenmale die Brandfackel in das Herz des jüdischen Glaubens. Leider ist diese, in der Mitte des 8. Jahrh. vorgehende Katastrophe noch zu wenig beleuchtet, um auf stchergestellte Thatsachen ruhende Ansichten gewinnen zü können. Man'begnügt sich vorläufig mit einemsslw mortale über Jahrhunderte, oder construirt dieselben, so gut es geht, aus den dürftigen Andeutungen einer spätern Zeit. Eine ebenfalls erst in neuester Zeit beachtete Quelle zur Kunde jener Periode ist die Forschung über die Entstehung und erste Entfaltung des Karaismus und die Geschichte des muhammcdanischenGlaubens im Verhältniß zur neugeschaffenen arab. Wissenschaft3). Um nicht von unserm nächsten Gegenstände allzu weit abzuschweifen, bezeichnen wir hier nür in Kürze die Hauptmomente, die hierbei in Betracht kommen. Der Islam mußte, wie jede Religionsneuerung, als Polemik auftreten; und zwar in dem ersten Jahrhundert als „Polemik" im ursprünglichen Sinne, als Streit um den Boden für seine Eristenz, und innerhalb seiner Anhänger als Kampf um die verbundene geistliche und weltliche Oberherrschaft — die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten gilt ursprünglich der Nachfolge (Khalifat,Jmamat)und die Sunnaselbst trägt den Stempel ihrer Partei. — Nachdem nicht weniger als 20 Khalifen in ungefähr 120 Jahren um die äußere Anerkennung ihres Glau- 3) S. Geiger, Zeitschr. V. S. 263. Sachs xel. Poesie S. lös, 192, 201. Letzterer hat den Karaiemus, und Beide die Vorgänge im Islam selber zu wenig berücksichtigt« 31*