Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 10 (Oktober 1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 392 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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392 Allgemeine» theologische Bibliographie. geüchts zu Welisch, daß die Hebräer von . dem Verdachte der Ermordung des Knaben zum Behufs des Gebrauches von dessen Blut völlig freizusprechen seien ff., die Terentjewa wegen betrügerischen Wührsngens polizeilich zu bestrafen und fir wegen schlechten Lebenswandels zur Kirchenbuße abzugeben ff. Der Kaiser Alexander reiset im I. 1825 durch Welisch und nun übergibt ihm die ge- * dachte Terentjewa eine Beschwerde, des Inhalts: daß ihr Sohn im I. l823 von den Hebräern umgebracht-worden, sie aber nicht nur keine Genugthuung erhalten, sondern noch strenge Hast und Bedrückung erfahren habe. Diese Beschwerde wurde auf Befehl des Kaisers dem Generalgouverneur Chawanskk zur strengen Untersuchung überwiesen, und Ehawanski übergibt sie dem Collegienrath Strachoff. Nun liegt schon ein sonderbarer Umstand vor, daß Terentjewa den ermordeten Knaben als ihren Sohn angab. Noch mehr! Sie sagte jetzt aus: daß sie selbst den Knaben zu der Hebräerin Hanna Zettlin ins Haus geführt, und sie nebst dem Soldatenweib Makflmowa und der Bürgerin Pilenkowa,. nachherigen Kosloffska, an der Ermordung des Knaben in Gemeinschaft mit den Hebräern Theil genommen. — Da diese drei Weiber „sich in ihren Aussagen fortwährend widersprachen, .um die Sache absichtlich zu verwirren, so wie die Thatsachen zu entstellen suchten," (dieses ist der wörtliche Ausdruck S. 30), so beschloß Strachoff, durch milde Behandlung, Versorgung mit den nöthigen Lebensbedürfnissen und geistlichen Zuspruch die Angeschuldigten zu einem klaren und deutlichen Gestandniß zu bewegen ff. Ob im Jnquisitionsverfahren und besonders in Rußland derartige sanfte Mittel, um ein Gestandniß zu bekommen, oft angewendet werden, dürfte sehr zu bezweifeln sein. Wenigstens klagen die Annalen der Eriminalistik allgemein über entgegengesetzte Versuche der Strenge. Nun ein Collegienrath darf auch einmal menschlich sein, besonders wenn sich ihm die Aussicht darbietet, dann um desto unmenschlicher mit Juden verfahren zu können. Endlich ^eigt sich die glückliche Wirkung und nun sagt Terentjewa aus, wie sie mitgeholfen den Knaben umbringen, welches, wie sie erst aussagte, in einem Keller geschehen war, spater behauptete sie, es sei in der großen Schule der Hebräer gewesen, ferner daß sie beauftragt geworden sei , den Knaben ins Wasser zu werfen. Wie viel Ungereimtes, Vernunftwidriges sich in dieser ganzen Aussage befindet, leuchtet von selbst ein: hatten die Juden den Knaben erschlagen, so würden sie wohl nicht.eine Christin zum Zeugen herbeigerufen, nicht sie mit Wegschaffen des Leichnams beauftragt haben. Wir übergehen noch Anderes, was den Richtern die Augen hatte öffnen müssen, wenn sie nicht vom Judenhaß zu sehr geblendet gewesen waren. Der neue Pitaval möge diesen Proceß seiner Kritik würdigen; wir heben nur Einiges über das Gerichtsverfahren und die Motivirung des über die angeklagten Juden ausgesprochenen VerdammungSurtheils heraus. Die eingesperrten Juden hatten durch kleine Zettel . ihren Verwandten Bitten und Nachrichten zukommen lassen. Diese Zettel wurden entdeckt und ein Bernhardinermönch Padserski diente als Dolmetscher. Dieser bübische Priester, ein convertirter Jude, machte aus den hebräischen Büchern Auszüge (S. 96), in welchen gesagt wird, daß Hebräer, welche Zeinen Nichthebräer umbringen, nicht zu bestrafen seien, daß Menschenblut, vermischt mit irgend einer Flüssigkeit, nicht verboten sei u. dgl. m. Man kann nun denken, wie dieser Abtrünnige, der solche Verleumdung gegen seinen srühern Glauben im Munde führt, mit den Genossen dieses Glaubens verfahren werde. ,Die Jüdin Jtka Zettlin.schreibt aus ihrem Gefängnisse u. A.: „dasselbe wird nicht gut. werden und man muß sich zur Verherrlichung von Gottes Namen aufopfern",