Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-10-01 · 10 (Oktober 1846) · p. Seite 389

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
10 (Oktober 1846)
Date
1846-10-01
Page
Seite 389 (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744894--1352-2746324
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

. Tagesbegebenheiten. 389 besetzen. Die Staatsregierung selbst sucht dieses unselige Schutzverhäktniß nach Kräften zu mindern: so bedürfen nach einem Gesetze von Kaiser Joseph H. Juden, die ein Haqdwerk treiben, nicht des Schutzes -r* einer Nummer—und können sie sich an allen Orten ansässig machen. Nach einem unter dem jetzigen Kaiser vor zwei Jahren ergangenen Gesetze können Juden, die sich um denStaat verdient gemacht, die in Wissenschaft-und Kunst sich ausgezeichnet, ferner-Jene^die Fabriken betreiben, allenthalben Grundstücke erwerben und sind ihnen mehrere Freiheiten eingeräumt. Man erkennt, daß es der Staatsregierung ernst sei um die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden in Böhmen; und haben sie auch noch mehrere Beschränkungen zu erdulden, so ist zu erwägen, daß in eineür ausgedehnten Staate wie Oesterreich die Aufmerksamkeit der höchsten Staatsbehörden nach zu vielen Seiten hin in »Anspruch genommen wird und nicht jedem Nebel sogleich abgeholfen werden kann. In Baden hat endlich der wahrhafte Liberalismus einen Sieg gefeiert: die Emancipation der Juden wurde in der zweiten badenschen Kammer mit 36 gegen 18 Stimmen angenommen. Wir sagen der wahrhafte Liberalismus; denn Deutschland hat auch den falschen eines Herwegh, Dingelstädt, Rüge, B. Bauer u.A., die, Terroristen auf dem Gebiete der Freiheit für den, der nicht ihre Gesinnung über Staat oder den anthropologischen Gott theilt, Fesseln in Bereitschaft halten und den Juden, der freilich von seinem positiven Glaubensboden zu diesen Schwindeleien und Selbst- und Staatsvergötterung sich nicht erheben kann, entweder aus dem Lande jagen oder zurück in sein Ghetto verbannen wollen. Der deutsche Sinn ist zu gesund, als daß er dieser unfreien Freiheit, diesem, trotz seines, modernen Gewandes, höchst widerlichen Egoismus lange huldige. Da ist denn doch der offene hinter keine Phrasen sich verbergende Haß der frühern Zeit vorzuziehen: sie fand nach ihrem irrigen Begriffe in der Religion einen Grund hierfür; diese aufgeklärten Herren, die den Gipfel der Philosophie und derErfenntniß erklommen haben wollen, sie predigen von ihrer Höhe, von ihrem überschwänglichen Freiheitstaumel Unfreiheit herab, verkennen die Würde des Menschen, die Selbstständigkeit des Individuums! — Unter den für die Emancipation Stimmenden finden wir Welcker, gegen die Emancipation den frommgläubigen Buß., Letzterer führt für seine Behauptung den christlichen Staat an, dann das Interesse der orthodoren Juden: das Volk sei, wie in allen CM-- fessionen, auch bei den Juden strenggläubig, und es gelte die Religion und die orthodoren Juden zu erhalten. Was die Idee des christlichen Staates anbelangt, so hat sie schon anderswo und auch in der badenden Kammer ihre Widerlegung gefunden; für die Sorgfalt aber für das orthodore Judenthum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.