Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 10 (Oktober 1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 378 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Die Co«str«etio» fcCt jüdischen -Geschichte. Grammatiker, philosophische Eregeten, Dichter und ReligionSphilosophen traten in unzähliger Menge auf diesem Schauplatz auf. Zwei Individualitäten ragen über alle hervor, denen die Mit- und Nachwelt den Preis der Genialität zuerkannt hat: Jeh^da H.a-Levi und MoseS Maimuni. In Saadias' skizzenhaftem unausgeführtem Systeme waren mehr einige Dogmen des Judenthums, als sein Wesen erplicirt. Gerade das ch a ra c ter ist i s ch Jud enth ü m l iche, seine individuelle Physiognomie,der großeUmfang der nvsa« blieben jenseits der Erklärung oder waren nur nebenher berührt. Diese von Saädias gelaffene Lücke füllte Jehuda Ha-Levi aus, mit einer Consrquenz und Ausschließlichkeit, die das Gleichgewicht zwischen Offenbarung und Philosophie wieder störte.—Jehud a Ha-L e v i, der Dichterfürst, der jüdische Plotin, dessen heiße Sehnsucht nach demcheiligenLande der Inspiration, der Propheten, nach der Wiege des Judenthums, ihm das Heimathland als die Fremde erscheinen ließ, ging bei seiner speculativen Auffassung des Judenthums von entgegengesetzten Principien aus. In dem, den platonischen Dialogen nachgebildeten Buch Cosarr legt er seine Ueberzeugung einem jüdischen Weisen -an in den Mund. — Der Verstand, die Syllogismen der Metapyhsik reichen keineswegs aus, eine positive Lebensrichtung zu eonstruiren, weil die metaphysischen Wahrheiten einem ewigen Schwanke n unterworfen sind, und die Philosophen selbst darüber keine Uebereinstimmigkeit haben. Der Verstand hat nur eine negative berichtigende Function. So verwirft der nüchterne Verstand von vorne herein jede religiöse Aeußerung, jede gemüth l iche Beziehung des Menschen zuGott und Gottes zudenMensche n, die aber nichts desto weniger ein unabweisbares Bedürfniß ist. - Es muß also noch eine andere Erkennntnißquellr für die Wahrheit geben. EinevielmachtigereUeberzeugungskraft,als siedie syllogistischeDemonstration — wpn — zu geben im Stande ist, wohnt dem untrüglich en Augenschein, der geprüften Selbsterfahrung ein — raia xbi xb Mas» -pa pK irspn —. Auf einer solchen augenscheinlichen, überzeugenden Selbsterfahrung stützt sich die Offenbarung des Jüdenthüms. Die außerordentlichen Begebenheiten in Aegypten, am rochen Meere, am Sinai, in der vierzigjährigen Wü stenwanderung, in der ununterbrochenen Gnadenwaltung Gottes mit dem jüdischen Volke und endlich in dem sichtbaren Ruhen des göttlichen Geistes aufden Propheten waren vor den Augen von Millionen , vorgegangen, die es wohl nicht an Prüfung haben fehlen lassen, ob nicht hinter diesen erstaunlichen Vorgängen ein Blendwerk, eine Sinnentäuschung verborgen sei. Dieser unmittelbare, erprobte, un-