Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-10-01 · 10 (Oktober 1846) · p. Seite 377

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
10 (Oktober 1846)
Date
1846-10-01
Page
Seite 377 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744894--1340-2746312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die -Construction der jüdischen Geschichte. 377 Factum muß, wenn sie Glaubwürdigkeit erhalten soll, sich bewahrheiten. Das Judenthum documentirt sich durch die Wunder in Aegypten Und den Act der sinaitischen Gesetzgebung. Wunder allein aber, welche nicht einen vernünftigen Zweck Haben, beweisen nichts; denn so wenig die Sittengesetze durch Wunder beseitigt werden können, eben so wenig die Denkgesetze. Die Offenbarung des Judenthums, die Thora, ist für alle Zeiten unauflöslich, was von- Saadias durch innere Beweise erhärtet wird : die Propheten haben den Juden Unvergänglichkeit verheißen (Jeremias 31), ein jüdisches Volk ohne Thora aber ist ein Und ing — nmnrq bst "o franst nw nsnanst •’b —. Aus denselben Principien entwickelt Saadias des Weitern einige Dogmen, ohne welche eine Religion zu der Zeit nicht gedacht werden konnte: aus dem Begriff der göttlichen Güte und Gerechtigkeit Lohn und Strafe für tugendhaftes und lasterhaftes Leben, und daraus wieder die Unsterblichkeit derSeele. Aus dem Begriff der Allmacht Gottes, mit der er aus Nichts die Welt erschaffen, die Auferstehung und die messianischen Erwartungen. In dieser systematischen Form erfaßte sich das Judenthum in einer Individualität, und wiewohl sie, mit dem später» System verglichen, eine dürftige zu nennen ist, so war sie doch von Unendlicher Bedeutsamkeit. Dadurch, daß eine Autorität, wie Saadias, der hochgefeierte Gaon der fturanischeu Metibta, der glückliche Bekämpfer desKaräismus, der fruchtbare Schriftsteller, Uebersetzer und Ereget, das Judenthum philosophisch zu erfassen unternahm, erhielt die philosophische Theorie des Judenthums eine unerschütterliche Sanktion.. Das philosophische Forschen gehörte fortan m i t zum Judcnthume. Viele Nachfolger Saadias' beschäftigten sich mit jüdisch-philosophischen Problemen, mit Ausglättung anthtopomorphischer undanthropopathischerBibelverse undAgadastellen, nach metaphysischen Principien. Von den Ufern des Euphrat und Tigris wanderten diese Studien mit dem Talinudstudium nach der pyrenäischen Halbinsel! Kairuan, an der Nordspitze Afrcka's, das alte Kyrene, bildete die Brücke von Babylonien nach Spanien. — Diese gesegnete Halbinsel, das Vaterland des religiösen Fanatismus und der Inquisition, wurde unter dem milden Ccepter der Wissenschaft und Lebensverfeinerung liebenden maurischen Chalifen das klassische Land der jüdischen Wissenschaft. Es erzeugte eine lange Reihe jüdischer Persönlichkeiten, eingeweihet in allen Richtungen der menschlichen und göttliches Wissenschaften: jüdische Mathematiker, Mediciner, Staatsmänner, dianoQTj&ivTOs’ r&s Ycc9 ätij&slg &sos oTSs fiovog. (de decalogo II. 183. Mangey.) Frankel, Zeitschrift III. 29

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.