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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-10-01 · 10 (Oktober 1846) · p. Seite 375

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
10 (Oktober 1846)
Date
1846-10-01
Page
Seite 375 (sequence 17)
Language
German
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Die E»«ftrueti»n der jüdische» Geschichte. 375 Autorität hin, der in erster Instanz über die Exegese der Schrift zu entscheiden hat. Sein religiös-philosophisches System hat eben diese Tendenz, das Judenthum mjt den Kategorien des Denkens in Einklang zu bringen. Seine Schrift wsni mjtok, „Glauben und Wissen," ist der erste Versuch in der jüdischen Sphäre, Glauben und Wissen, oder richtiger Offenbarung und Philosophie zu versöhnen. Wiewohl es einer noch nicht vorhandenen Geschichte der jüdisch-religiösen Systeme Vorbehalten bleiben muß, dieselben auch zu characterisiren, und es für unsere Aufgabe genügen würde, blos anzudeuten, daß diese und jene Ansicht in die geschichtliche Erscheinung getreten ist: so wird es dennoch nicht überflüssig sein, so lange jene Arbeit noch ein frommer Wunsch ist, die Contouren der Hauptsystcme, die in dem jüdischen Geistesleben Epoche machen, darzustellen, weil dadurch sich am klarsten und überzeugendsten der innere Zusammenhang dieser Systeme und ihr Jneinandergreifen offenbaren wird.' Ein Gedankensystem gehört aber nicht ganz oder nur theilweise dem Schöpfer desselben an, es ist ein Product der Zeit, und der Denker hat dabei oft nur die Function, daß er die zerstreuten Strahlen der Idee in einen Brennpunkt sammelt. Wenn wir also vonSaadias', Maimun's System sprechen, sö will es nicht etwa sagen, die Ansicht dieses oder jenes Individuums über Judenthum, sondern des und des Organes der Zeit, die dann wiederum an sich als Product von unendlich vielen Factoren anzusehen ist. Mitten in den unklaren Vorstellungen seiner Zeitgenossen entfaltet Saadias sein höchst einfaches, theilweise den arabischen Dogmatikern*) ' abgesehenes System des Judenthums. Er setzt keinen Schritt, ohne ihn zu beweisen oder das Gegentheil zu entkräften^ den Vorrath seiner Beweise ünd Gegenbeweise holt er aus den Schatzkammern des Denkens tasjjvp itnb aus dem grammatisch geläuterten Apparate der Schrift ainifvp. — Die sichtbare Welt ist erschaffen; — Beweise dafür ihre Endlich feit im Raume, die endliche Theilbarkeit ihrer Theile, die Veränderlichkeit ihrer Substanz. Ist die Welt erschaffen: so hat sie nothwendigerweise einen Schöpfer, der sie aus dem absoluten Nichts ins Dasein gesetzt. Diese Schöpfermacht kann nur einesein. Die Einheit Gottes knvolvirt feine Allwissenheit, sowie - seine Schöpfungsthätigkeit, seine Allmacht, und diese zusammen seine Geistigkeit (Unkörperlichkeit). Zweck der Schöpfung war, Gottes Größe, 'Weisheit und Güte manifest zu machen. — In der Reihe der Geschöpfe nimmt der Mensch den höchsten Platz ein (selbst die Engel über- *) Vgl. Moreh Nebuchim I. 71. Schmölders: essay sur les dcoles philosophiques chez les arabes, 185 et seq.

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