Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 10 (Oktober 1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 373 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Dt« Constructto» der jüdische» Geschichte. 373 Das Erste ist, daß es iw dieser Richtung nicht zu einem S y steme des judenthümlichen Lehrbegriffes kommen kann; ihr Character ist nämlich das Abrupte, Unzusammenhängende. Da die Agada von dem Buchstaben der Schrift ihren Ausgang nimmt, d iesen zu erläutern und mit anderweitig gewonnenen Vorstellungen zu vermitteln strebt, so bewegt sie sich auch nur in dieser Sphäre, springt von Vers zu Vers, ohne sich um Zusammenhang und Consequenz zu kümmern, selbst den. Widerspruch nicht achtend, in den sie sich nothwendigerweise verwickeln muß. An den losen Faden der Versreihe knüpft sie ihreBetrachtungen an, je nachdem ihrJdeenvorrath gerade da anzubringen ist, läßt diese Betrachtungen aber wieder fallen, um zu einer andern zu greifen, die zu dem nächsten Verse besser paßt. Ist der Sinn des Verses zu spröde gegen eine ihm aufgezwungene Deutung, so müssen gewaltsame Mittel herhalten, die Allegorie, die Spielerei mit Zahlen und Buchstaben, welche die Logik ersetzen sollen *). Dadurch erhält diese Richtung den Character des Willkürlichen, Unangemessenen und Kindischen, — ein Umstand, der Veranlassung wurde, da diese äußerliche Form derAgada von Gedankenlosen verwechselt wurde mit Talmud überhaupt, der Talmud wieder mit Tradition, über Agada, Talmud und Tradition den Stab zu brechen. Endlich ist dieseRichtung auch darum unreif zu nennen, weil sie fremde A n s ch a u u n g e n u n d V o r a u s s e tz u n g e n in die Deutung der Schrift hineintrug, ohne einmal das Bewußtsein dieser ihrer Thätigkeit zu haben; so sehr sie auch das Moment der Resterion involvirt, so steckt sie noch fast ganz in der Unmittelbarkeit und der Indifferenz, sie weiß noch nicht das Eigene vom Fremden zu scheiden. Zweite Phase. Der Fortgang des theoretischen Ausbaues des jüdischen Lehrbegriffes geschieht zuvörderst dadurch, daß die eksta t isch e Ueberschwenglichkeit nüchterneAnalhse,die poetische Ausschmückung prosaische Begriffsdeutlichkeit, daß mit einem Worte der agadische Commentar philosophisches System wird. Hatte die oben characterisirte agadisch-philpsophische Schule noch ganz den Character der Poesie an sich, lag ihr mehr intellektuelle Anschauung, als begriffliche Klarheit zu Grunde, trug sie noch ganz die Spuren jenes *) Bekannt find die vier Dentungsweise« der Schrift unter der Abbreviatur v'n'l's',die auch von der christlichen Scholastik gehandhabt wurden. Ihr Rame und Functionen werden durch zwei herametrifche Verse angegeben: Litera gesta docet, quid credas allegoria, Moralis quid agas, quid speres anagogia. So entspricht die Litera dem nais, die allegoria dem tal, die moralis dem und endlich die anagogia dem T»,