Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 10 (Oktober 1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 368 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Die Constructio» der jüdischen Geschichte. Schule« inSpanien, Italien und Deutschland— für Kordova, Otranto und Mainz. Aus der Thatigkeit dieser halachischen Schulen ist das Moment herauszuheben, daß, so sehr die religiöse Praxis Zweck der Studien war, sie doch nicht der alleinige Zweck gewesen ist. Das Studium an sich, das Wissen der jüdischen GesMe, die theoretische Aneignung des Gegebenen aus Schrift und Tradition galt für eben so verdienstlich und pflichtmäßig, als, das Ausüben der religiösen Vorschriften. Die Theorie des Gesetzes ist unter dem Namxn Tai« und ero—mit einiger Modifikation—bekannt. So hoch stand die theoretische Richtung neben der praktischenReligiosität, daß von den größten mischnaitischen Autoritäten die Frage verhandelt werden konnte: ob die theoretische Beschäftigung mit dem Gesetze nicht noch höher anzuschlagen sei, als die religiöse Thathandlüng —nixn» ins i-ros» ix ins 'Train i, nixa. Daher der enthusiastische Eifer für das Studium des Gesetzes —nnnntoin-—, der Schaaren von Schülern um die berühmten Lehrer versammelte, die — Schüler wie Lehrer — Familienkreis-Genüsse, die ganze praktische Lebensthätigkeit gegen dieses Streben hintenansetzten, eine Erscheinung, von der bis ins vorige Jahrhundert Beispiele vorkamen. Die meisten Märtyrer der hadrianischen Zeit bluteten einzig und allein für diese theoretische Thatigkeit, für das verbotene Studium des Gesetzes — für die verpönten Zusammenkünfte der Lehrer und Schüler, der biedere R. Chanina b. Teradion, der glorreiche R.Akiba, überhaupt die sogenannten zehn Märtyrer —- nraia •'snn mas oder T- ■wn mit sammt ihren Schülern. •— Diese Thatsachen muß man festhalten, wenn man den Mittelpunkt der geschichtlichen Thätigkeit des Judenthums in dieser diasporischen Periode ermittelnwill. Die geschichtliche Ar beit des Judenthums hatsich in der theoretischen Erplication des Judenthums concentrirt — und darin. eben unterscheidet sich diese Periode wesentlich von den ihr vorangegangenen. Diese Richtung, die halachische Theorie, bildet aber erst den Anfang, den Fortgang und die reichere Fülle bildete die Agada aus. Die Agada*) beschäftigt sich zwar gleich der Halacha mit dem Gegebenen, mit dem in Schrift und Tradition ausgeprägten Inhalt des Judenthums; allein sie erhebt sich auch selbstständig über dasselbe, um sie mit den Kategorien des Bewußtseins in Einklang zu bringen, sie will sich den trockenen Buchstaben der Schrift oder die auffallende, abstruse religiöse Handlung verständlich und einleuchtend machen, und findet hinter dem Buchstaben einen liefern Sinn, in der Handlung eine höhere Be- *) Ich meine die philosophische.