Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 10 (Oktober 1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 367 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2744856-2744883-2744894--1330-2746302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Construction der jüdischen Geschichte. ' 367 echtgeborner Sohn des Judenthums; er konnte nur in den Voraussetzungen des Judenthums seinen Bestand haben. Der Talmudismus bildet demnach das wirksamste Gegengewicht zu dem nothwendkg gewordenenAllerweltskeben des Judenthums'. Das eineist das schaf- __ sende, das andere daH,erhaltendePrincip; das eine hat assimibirende, das andere ausscheidende Functionen. Wenn von den Volksgeistern, aus dem Weltleben, dem Judenthume neue Elemente, neue Säfte zugeführt werden, die es in sein Blut verwandeln soll: so weist der Talmudismus die dem Wesen des Judenthums schädlichen Bestandtheile zurück, scheidet mit seinem instinktiven Repulsionsvermögen die auflöfenden Elemente aus. Mit empfindlichen Fühlfäden begabt, fühlten die talmudischen Lehrer eine unjüdische Sitte, eine unjüdische Anschauungsweise heraus und wiesen sie als ■n'iKX -o-nalS-mn nipn zurück. Doch neben dieser negativen Seite hatte auch der Talmudismus eine positive, daß er manche an sich gleichgültige Handlung und Sitte wegen ihrer Verwandtschaft mit dem judenthümlichen G e i st e auch als j ü d i sch stempelt und rwsv> rn erzeugt. Dadurch erhielt das jüdische Leben ein eigenthnmliches Colorit, einen markirten Schnitt,'wodurch der Uebergang zu dem es umgebenden mächtigem Principe ein schroffer unv schwieriger wurde. Ohne hier eine Apologie des talmudischen Geistes geben zu wollen, möchte ich nur dessen geschichtliche Nothwendigkeit vindiciren, welche Nothwendigkeit natürlich mit ihren Bedingungen steigt und fällt. — Je mehr der Talmudismus in das Leben des, Judenthums drang und sich darin veränderte, einen desto entschiedenern Character des Religiösen nahm dasselbe in der Erscheinung an. Allein dies war nicht die ausschließliche Arbeit in dieser Periode. Schon die Firirung und Abschließung der Hal acha oder dessen, was ei» wahres Bedürfniß und was sich mit dem Geiste oder dem Buchstaben des Judeuthums verträgt, mußte zur Theorie führen, und nur die Resultate, welche in Schulen nach eifrigen, ernstenDiscussionen Autorität erhielten, wurden vom Leben ausgenommen. Dadurch erhielt das Judenthum einen theoretischen Zug. Diese halachischen Schulen blühten gleich nach der Einäscherung des Tempels auf heimischem, palästinischem Boden in Jab ne unter dem Patriarchat des Hillelschen Hauses, später im galiläischen Norden, in Tiberias und Sepphoris — wo die vollständige Sammlung vieler Halacha's, die Mischna entstand. Bon hier aus, aus der Schule des R. Jehuda Hannaßi wanderte diese Richtung in di« babylonisch-parthischen Lander, an die Ufer des. Euphrat und Tigris; es erstanden jene berühmten Akademien, Nehardea, Pumbadita, Sura, die bis ins 11. Jahrhundert hinein Pflanzstätten und Musteranstalten wurden für die jüdisch-europäischen