Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 10 (Oktober 1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 365 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Construetioa der jüdische» Geschichte. 365 ren erzogen und herangereift ist, entfernt ihn der Vater selbst vom eigenen Heerde, sendet ihn in die große Welt, reiche Erfahrungen zu sammeln und die Richtigkeit der väterlichen Lehren an den tausend Conflicten des Lebens zu erproben. Aber der Vater hat keinesweges die Absicht, den geliebten Sohn in der Fremde untergehen zu lassen. Gekräftigt und verselbstständigt durch bittere und süße Erlebnisse, soll derSohn das väterliche Haus Wiedersehen, das väterliche Erbe in Besitz nehmen. — Mit dem Wanderstab in der Hand betritt der Sohn seine Laufbahn, durchreist daS Erdenrund. Er mischt sich in die bald freundliche, bald feindliche Welt, er nimmt bald freiwillig, bald gezwungen Antheil an ihren Interessen und Collisionen. Begleitet von dem frischen Andenken an das väterliche Haus und an die väterlichen Mahnungen wird er sich anfänglich in diesen Interessen nicht verlieren, sein Auge wird unverwandt, sehnsüchtig nach der trauten Hcimath blicken. In heimlichen Ergüssen, in stillen Monologen wird er seine Sehnsucht nach dem Heimathslande aushauchen, er trägt ja mit sich das Bewußtsein seiner Pilgerschaft herum, er weiß ja, daß das Ziel seiner ewigen Wanderung kein anderes ist, als innerlich geläutert und bereichert, selbstbewußt und gereift, in die Arme des Vaters wiederzukehren. Allein der Sohn ist von Fleisch und Blut, die väterliche Erziehung, wiewohl -eine strenge, die väterlichen Lehren, wiewohl eindringlich und überzeugend, haben noch nicht die Allmacht über das Herz des Sohnes erlangt, jeder Versuchung zu widerstehen. Liegt nicht die Gefahr nah, daß er, irregeleitet von den Lockungen der Welt,'von den Sophismen der Leidenschaft, von einer übernüchternen Reflexion, .seine Bahn verlassen, seiner Ueberzeugung und Lebensrichtung, die vom Hause aus in einem Gegensatz zu der Lebensrichtung der Welt stehen,, untreu werden wird? -Ist die Befürchtung nicht begründet, daß die mächtigen Erinnerungen an das Vaterhaus durch die zunehmenden räumlichen und zeitlichen Entfernungen allmälig verblassen und verlöschen werden, und das Band sich lockern wird, das den Sohn an das Varerhaus, an die uralten Traditionen knüpft? Liegt die Gefahr nicht nah — um von der Redefigur endlich abzugehen — daß der erstgeborne Sohn Gottes, hingegeben den Einflüssen, den Genüssen, den Interessen der Welt, seinen erhabenen Beruf, den Zweck seiner Pilgerschaft in dem Getümmel der Welt vergessen und seine Erstgeburt für ein Gericht Linsen verhandeln wird? +— Da mußte inmitten des Weltlebens eine Scheidewand errichtet werden, die das Judenthum von einer allzu innigen Verschmelzung mit der naturvergötternden Welt fern halten sollte. Dieselbe Bestimmung, welche die N a t u r g r e n z e n P a l ä st i n a' s für daS Judenthum hatten, der hohe Libanon im Norden, die Sandwüsten der Ost- und Südgrenze,