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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-10-01 · 10 (Oktober 1846) · p. Seite 364

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
10 (Oktober 1846)
Date
1846-10-01
Page
Seite 364 (sequence 6)
Language
German
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364 Die Construction der jüdischen Geschichte. benutzen. Auf diesen hohen Standpunkt stiller Betrachtung, gleichsam auf den archimedischen Punkt extrs »orrsm gestellt, konnte das Judenthum die ganze Tiefe seines Inhaltes, die Erhabenheit seiner eigenen Tendenz durch Vergleichung und Gegenüberstellung erfahren. Wohin der Zug der Weltgeschichte ging, wo nur ein Samenkorn weltgeschichtlichen Lebens ausgestreut wurde, dahin folgte auch die Wanderung des Judenthums. Mit dem Römerthume ließ sich das Judenthum auf der pyrenäischen Halbinsel, in Gallien, am Mein nieder und wanderte dann immer weiter in die sich immer mehr erweiternden Marken des germanisch-fränkischen Reiches. Mit der überfluthenden Strömung der islamitischen Volker kam auch das Judenthum in neue Lander und Situationen und zog aus dem" Zusammenschlagen der Völkerwogen aus Europa und Asien Leiden, aber auch Gewinn. - Mit der Entdeckung der neuen Welt fand auch es eine Stätte der Freiheit in den Urwälder» Amerikas. Und wo nur immer in "der Eigenthümlichkeit der Völkerindividuen eine neue Wahrheit oder auch nur eine neue Form für eine alte Wahrheit auftauchte, konnte das Judenthum sie sich aneignen und seinen Inhalt daran prüfen, sie sogar aufnehmen, sie entweder in dem eigenen Wahrheitsschatze wiederfindend oder das Gegentheil derselben in seiner eigenen Lehre überzeugender und wirksamer gewahrend. In diesem Allerwellsleben des Judenthums, in dieser atomistischen Zerstreuung seiner Bekenner drohte ihm aber die Gefahr, sich selbst entfremdet, selbst zerstreut und. verflüchtigt zu wer den, es drohte die Gefahr, daß das judenthümliche Gottesbewußtsein, das sich entsprechende Institutionen geschaffen, die ihm Unvergänglichkeit verleihen, in einer fremdartigen Umgebung, fremden Einflüssen ausgesetzt, in dem Andrange der Weltgewalten zerdrückt, oder was dasselbe ist, durch Anschließen und Anbequemen mit einer fremden Tendenz verwechselt werden möchte. Diese Besorgniß lag ganz nah, sie war nicht etwa aus einer übertriebenen Aengstlichkeit entsprungen. Hatte ja das Judenthum, noch fest wurzelnd im eigenen Boden, getragen und unterstützt von einer wenn auch noch so geringen weltlichen Macht, mit dem griechischen Heidenthum einen Kampf auf Leben und Tod zu bestehen. Und sollte es jetzt, entwurzelt und zersplittert, aller Macht und Haltung beraubt, und nur auf die Macht der Innerlichkeit und der Idealität angewiesen einem ähnlichen oder noch viel drohender» Kampfe ohne Vorbereitung und Rüstung entgegengehen? — Doch nein, das Judenthum hatte eine Vorkehrung, eine Rüstung gegen die Verflüchtigung und Entfremdung des eigenen Princips getroffen — und dieses war der Talmudismus. Wenn der Sohn durch väterliche Unterweisung und väterliche Leh-

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