Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 358 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Reeensionen. " so große Gelehrsamkeit entfaltet, als Scharfblick gezeigt. Undauch das müssen wir eingestehen, daß in der Apostafie und dem spater gezeigten Fanatismus des Achar etwas mehr liegt als die bloße leidenschaftslose Ansicht des EpicuräismuS, und daß Beides aus eine schwärmerische Richtung hinzudeuten scheint Indessen ist wenig daraus zu erweisen, da die Berichte über ihn sehr entstellt sind, und die Verfolgung, die er dulden mußte, möglicherweise auch diesen Haß gegen die Weisen, von denen erzählt wird, hervorgerufen haben mag. Was nun aber den Kernspruch des R. Akiba betrifft, den der Verf. der Gnosis entgegenstellen will, so scheint er uns mehr dem EpicuräismuS entgegengehalten zu sein» „Alles wird geschaut" gegen die Ansicht ro ^.anaqiov neu atp&aqzov ovzs nqaypcczcc t%£i, ovzs cdlo 7taqs%£i, Diogen. Laert. X., 139. Lucret. de nat. II. 107; cf. I. ZO, 19. Nam certe neque consilio pri- -mordia rerum — Ordine se quaeque atque sagäci mente locarunt. — Nee quos quaeque darent motus pepigere profecto, — Sed quiä multimodis multis mutata ctc. cf. V. 417. — „Die Freiheit ist gegeben," gegen die Ansicht ozi f\ 'Ijjvxv ow/w« UitzofieQrjs, X. 63, daß die Seele wie der Körper aus einzelnen Theilen zusammengesetzt sei, und ihre Bestimmung in der Mischung xqccgis habe, cf. Liieret. IIL 94* „Um das Gute wird die Welt gerichtet" gegen die Ansicht ovn rjv zi xad'’ euvzo dincuoGvvrj, ~a7X r\ sv zeug 6V[iqpoqcug X. 150, cf. 117, 121 und endlich „Alles nach der Menge des Handelns" gegen die Ansicht, daß d(e Seligkeit der Menschen in der Ruhe bestehe, die ans der Befreiung von Furcht und Schmerz entspringt, viog. Laert. X., 1I0. rj zrjg 1pv^qg ctzuqcct-icc zo zov [icmaqung £17v sgi zslog. Und wenn wir diese Vergleichung auch nicht als Wahrheit behaupten können, so glauben wir doch, daß sie gleiche Wahrscheinlichkeit mit der des Verf. haben dürste. - Dagegen haben andere Bemerkungen des Verfassers? bei der Durchführung seiner Behauptung gemacht, vollen Anspruch auf Anerkennung. Namentlich ist darunter eine, die eben so geistvoll als wahr uns erscheint, weshalb wir sie anführen wollen, um die Gediegenheit der Forschungen daran zu zeigen. Um den Gegensatz zwischen R. A. und Achar zu zeigen, soll der Ausspruch des R. Akiba, daß wer nichtcanonische Schriften liest, habe keinen Antheit an der Zukunft, gegen Elischa zunächst gerichtet sein, da dieser fich fortwährend mit griechischer Literatur beschäftigte. Dagegen hat nun Elisa den R. Akiba wieder angegriffen; dieser hat bekanntlich seine Studien in sehr spätem Alter begonnen, und darum bemerkt Elisa, „wer ein' Kind unterweist, schreibt mit Dinte auf neuem Papier, wer aber einen Greis unterrichtet, schreibt mit Dinte auf verlöschtem Papier." Das von einem Greise Erlernte ist nicht klar. Der Verfasser bemüht sich am Ende noch nachzuweisen, daß das Sepher Hajezirah tanaitischen Alters ist, und daß därum die Tradition, die den R. Akiba als Verfasser nennt, nicht zu verwerfen sei. Er will dann auch in diesem Buche eine Polemik gegen die Gnosis Nachweisen. Daß ihm der Nachweis des Alters besser, als dem vr. Frank in seinem „Kabbalah" gelungen ist, wird Jeder eingestehen, und es wird auch nun Niemand in Abrede stellen können, daß Stücke daraus ein sehr hohes/Alter haben.. Eine weitere ausführliche Besprechung indessen gedenken wir bei einer andern Gelegenheit zu geben. Wir scheiden jetzt von dem Verf. mit dem herzlichen Wunsch, ihm bald wieder auf literarischem Boden zu begegnen. Seine Arbeiten erfreüeu durch den glanzenden Scharfsinn eben so den Leser, als sie die Wahrheit und Erkenntniß fördern. Mögen daher diese Zeilen ihn zu weitern Studien ermuntern. H. Hirschfeld, vr.